Erlebniswelt Bahn

Heute ging es mit der Bahn von Dresden nach Marzling (Bayern), da ich an Weihnachten arbeiten darf. Halb so wild. Die Fahrt mit der Bahn dagegen war wieder ein Abenteuer…

Herausgesucht hatte ich mir folgende Verbindung:

10:23 Dresden Hbf – 12:24 Naumburg Hbf (IC 2158)
12:31 Naumburg Hbf – 16:47 München Hbf (ICE 1509)
17:44 München Hbf – 18:18 Moosburg (RE 4264)
18:51 Moosburg – 19:00 Marzling (RB 59263)

Fahrtzeit insgesamt 8 Stunden und 37 Minuten. Es gab mal vor ein paar Jahren eine Verbindung, die dauerte ca. sechseinhalb Stunden. Auch über München und mit ICE. Heute kann man zwar die Strecke immer noch in knapp sieben Stunden schaffen, aber die ist dann mit dem IRE (Kotzexpress, Neigetechnik!) über Hof und von dort weiter mit dem ALEX nach Freising und dann noch Regionalbahnen. Allerdings ist dieser Verbindung derart unzuverlässig, so dass man regelmäßig mit bis zu zwei Stunden Verspätung rechnen kann. Außerdem sind diese nervigen Züge zwischen Dresden und Hof meistens ziemlich überfüllt.

Also: Der Plan ist Gesetz.

Denkste!

Kurz nach Leipzig blieb der IC stehen. Nach einer Weile kam eine Durchsage, dass an der Lok der Scheibenwischen abgebrochen ist. Daher konnte der Lokführer nur noch langsam bis zum nächsten Bahnhof tuckern und dort wurde die Lok, die am Zugende hing, nach vorne gefahren. Mit ca. 30 Minuten Verspätung ging es weiter.

Der Plan war futsch!

Besonders freuten sich einige Reisende, die erst in Leipzig zugestiegen waren. Die kamen nämlich aus Berlin und wollten dort mit einem ICE direkt nach München durchfahren. In Berlin wurde aber nur ein Ersatzzug (IC-Typ) bereitgestellt, der dazu noch hoffnungslos überfüllt war. Deshalb wurden einige der Passagiere überredet, in Leipzig umzusteigen und dann in Naumburg mit dem ICE weiterzufahren. Der ja nun weg war.

Der Zugbegleiter gab einige Alternativrouten durch, mit denen man zum Ziel kommen konnte. Mit einem ICE, der einen Extrahalt in Naumburg einlegt, weiter nach München. Vermutlich wäre das der ICE 1209 gewesen, der aus Hamburg kam und bis Insbruck weiterfährt. Der IC selber, der bis Frankfurt Flughafen oder Hbf fahren sollte, endete auf Grund der Verspätung schon in Frankfurt Süd. Wer darüber hinaus weiterfahren wollte, musste also noch mal umsteigen.

Ich, clever wie ich bin, hatte mir inzwischen eine eigene Verbindung per Smartphone rausgesucht, weil noch nicht richtig klar war, wann der ICE in Naumburg seinen außerplanmäßigen Halt hat.

13:14 Naumburg Hbf – 13:47 Jena Paradies (RB 16211)
14:14 Jena Paradies – 16:47 Nürnberg Hbf (ICE 1209)
17:02 Nürnberg Hbf – 18:12 München Hbf (ICE 629)
18:24 München Hbf – 18:47 Freising (RE 4084)
19:17 Freising – 19:20 Marzling (RB 59270)

Ich hätte auch mit dem ICE 1209 nach München Hbf durchfahren können, der wäre dort aber erst um 18:43 angekommen. Das liegt daran, dass der ICE 1209 über Ausgburg fährt, während der aus Essen kommende ICE 629 über Ingolstadt fährt, die Strecke von Nürnberg nach München Hbf ohne Zwischenstopp und damit eine halbe Stunde schneller ist. Die Strecke Nürnberg Ingolstadt schafft er übrigens mit 300 km/h in ca. 20 Minuten für knapp 100 Kilometer. Das ist beeindruckend. Vor allem wenn man parallel zur Autobahn fährt, da hält nämlich kein Auto mit.

Aber genug abgeschweift, wäre ich also im ICE 1209 geblieben, hätte ich von München eine noch spätere Verbindung nehmen müssen und wäre insgesamt 10 Stunden unterwegs gewesen.

Es hätte also alles soweit gut klappen können. Aber hätte, hätte, Wette… Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen noch gekriegt.

Der ICE 629 kam wegen Sturmschäden 15 Minuten verspätet in Nürnberg an. Damit wäre der RE in München weg gewesen. Wenigstens fuhr um 18:44 der ALEX von München nach Freising (und weiter). So konnte ich letztlich in Freising auch noch die RB 59270 erreichen.

Fazit: 20 Minuten Verspätung, 9 Stunden unterwegs, 5 mal umgestiegen, aber wenigstens alles erster Klasse zum Nulltarif gefahren, weil ich als treuer Bahncardkunde fleißig Punkte gesammelt habe und mir so mal eine 1. Klassefahrt nach Dresden und zurück als Prämie gönnen konnte.

Mit dem Auto braucht man für die Strecke übrigens ca. 4-4,5 Stunden und bezahlt auch nicht mehr als mit Bahncard 50 im ICE. Kann Pause machen, wie man will, kann losfahren, wann man will und spätestens, wenn man den ersten Mitfahrer dabei hat, wird es deutlich günstiger. Allerdings hätte ich diesen Text im Auto nicht unterwegs auf dem Laptop schreiben können. Aber danach oder davor mehr Zeit dafür gehabt.

PS: Letztlich hat es der ICE von Nürnberg nach München sogar noch geschafft, ein wenig Verspätung aufzuholen, so dass ich noch den RE nach Freising erwischt habe. Am Fazit ändert das nichts.

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