„Brief an Herrn Strache oder wie mich meine Wut zum Bloggen brachte..“

Heinz-Christian Strache (* 12. Juni 1969 in Wien) ist ein österreichischer Politiker der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Er ist Bundesparteiobmann und Klubobmann seiner Partei im Nationalrat sowie Landesparteiobmann der FPÖ Wien. (Wikipedia)

Den folgenden Brief habe ich hier bei apennyforjuliasthoughts.wordpress.com gefunden und halte ihn für wert, rebloggt zu werden. So wie es dort steht, kann man das auch in Deutschland zu allen rechten Politikern von offenen Nazis bis hin zu CSU/CDU sagen.

Sehr geehrter Herr Strache,

letztens habe ich wie vor jeder Wahl einen Ihrer „netten“ Briefe ins Haus bekommen, zusammen mit einem der berühmt berüchtigten „Sagen-Comics“, über den schon öfter heftig diskutiert wurde. Sie adressieren Ihre Wahlwerbung also direkt an mich, wollen ja an die jungen Leute appellieren und da ich eine junge wahlberechtigte Studentin bin, möchte ich Ihnen hiermit einmal gerne persönlich antworten.

Seit Wochen, nein Monaten, ärgere ich mich nun nämlich über Sie und Ihre Partei, was nichts Neues wäre, wenn es nicht einen speziellen Punkt betreffen würde: die Asylpolitik. Ich weiß es ist eines Ihrer Lieblingsthemen und Kernstück der blauen Agenda, doch wie ich Ihnen leider mitteilen muss haben Sie KEINE Ahnung von der Realität der Asylpolitik. Die Lügen, die Sie auf Ihren Plakaten verbreiten, die Angst bzw. die Fremdenfeindlichkeit die Sie schüren, das alles beruht auf Annahmen und Pseudo-Fakten, die schlicht und einfach Vorurteile sind. Was weiß ich schon davon, würden Sie vielleicht fragen und Ihr siegessicheres Lächeln aufsetzen. Ich mag vielleicht kein Politiker oder Entscheidungsträger in diesem Land sein, aber ich habe mich im Gegensatz zu Ihnen mit den „bedrohlichen“ Asylwerbern beschäftigt, als ich fast ein Jahr ehrenamtlich in der Asylrechtsberatung einer NGO tätig war. „Aha!“, würden Sie jetzt rufen, „Sie sind also eine Beitragstäterin!“ Richtig, das war es nämlich, was Sie im letzten Jahr propagierten, jeder der Asylanten hilft, ist gleichzeitig ein Beitragstäter im Asylbetrug.

Was soll das eigentlich mit dem Asylbetrug? Ich muss Ihnen wohl kaum erklären, dass jeder Asylwerber in Österreich ein Verfahren durchlaufen muss, das Jahre dauert, frustrierend und kompliziert ist und in der Mehrheit der Fälle negativ ausfällt. Asylbetrug, wie Sie ihn nennen, ist faktisch nicht möglich, außer Sie sprechen den zuständigen Beamten ihre professionelle Fähigkeit ab. Im Gegenteil, selbst Menschen, die akute Fluchtgründe vorweisen, werden ständig abgeschoben, weil man ihnen einfach keinen Glauben schenkt. Und dann hört man in den Medien nicht das erste Mal von Fällen, in denen aus Österreich abgeschobene Teschetschenen verschwinden oder tot aufgefunden werden. Die Gefahr der Verfolgung zieht sich ja offenbar bis nach Österreich, wie der Fall des in Wien getöteten Umar Israilov zeigte.

Was werfen Sie denn noch vor? Asylwerber sind Schmarotzer und nutzen den österreichischen Staat aus. Dazu würde ich Sie einmal dazu anhalten mit den Betroffenen zu reden. Natürlich sind sie auf Hilfe angewiesen, aber man kann kaum jemanden einen Schmarotzer nennen, der 30 Euro Taschengeld im Monat bekommt, zusammengepfercht in einem überfüllten Asylheim leben muss und sich nicht einmal das Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel leisten kann. Asylwerber werden in die Rolle von „Schmarotzern“ gedrängt wenn Sie es so nennen wollen, weil ihnen die Möglichkeit genommen wird zu arbeiten. Jeder zweite meiner Klienten fragte mich wieso er oder sie denn nicht arbeiten dürfe. Die Menschen wollten meist arbeiten, wollten nützlich sein, wollten sich integrieren. Viele waren motiviert Deutsch zu lernen und machten schnellere Fortschritte, als manch einer von uns es wahrscheinlich in Russisch, Persisch oder Arabisch machen würde.

Es sind leider Leute wie Sie, die Integration erschweren und verhindern, da Ihre Hetze einen noch tieferen Graben zwischen die eingesessenen Österreicher und die „Fremden“ gräbt. In einer Zeit der Wirtschaftskrise, in der die Unsicherheit der Bevölkerung groß ist, nützen Sie die Möglichkeit um mit dem Finger auf die Schwächsten unserer Gesellschaft zu zeigen, sie zu Sündenböcken zu machen und vorzuverurteilen. Natürlich sind Sie nicht der Einzige, der das tut, aber der Unterschied ist, dass Sie leider ein politischer Entscheidungsträger sind, der diese Anschuldigungen öffentlich verbreiten kann. Sie können ja froh sein, dass diejenigen, die Sie in ihren Parolen schlecht machen, als Asylwerber nicht wahlberechtigt sind. Auch können Sie sich nicht gut wehren, da viele der Betroffenen erst seit kurzem hier sind und die Sprache noch nicht ausreichend beherrschen.

Sind das alles Lügner? Ich habe viel gehört, gesehen und gelernt bei meiner Zeit in der Asylrechtsberatung. Ich bin 20 Jahre alt und habe KlientInnen vor mir gehabt, die wesentlich jünger waren als ich und so viel mehr durchmachen mussten als ich es hoffentlich jemals erleben werde. Sie haben mir ihre Geschichten erzählt, geprägt von Folter, Verfolgung, Angst und Tod, die meisten von ihnen waren allein, getrennt von ihren Familien. Der Großteil der Asylwerber denkt sich diese Geschichten nicht aus, kein vernünftiger Mensch würde das tun! Das Problem ist, dass ihre Gründe meist nicht „schlimm“ genug sind, damit Asyl in Österreich gewährt wird. Meine paradoxe Aufgabe als Beraterin war es oft, den Menschen zu sagen, dass sie leider nicht „genug“ durchgemacht, nicht in dem Sinne verfolgt, oder nicht so bedroht waren, dass das als Fluchtgrund anerkennt worden wäre. Je trauriger die Schicksale, desto eher ein Erfolg im Asylverfahren, so funktioniert das System.

So passierte es einmal, dass ich ein 15-järhiges wissbegieriges Mädchen vor mir hatte, das kurz vor ihrem Hauptschulabschluss stand und fünf Sprachen sprechen konnte, darunter nahezu akzentfreies Deutsch. Sie hatte zwei negative Asylbescheide und ich musste ihr sagen, dass sie kaum Aussicht darauf hatte in Österreich bleiben zu können. Warum das so ist, weiß ich bis heute nicht! Für einen jungen Mensch wie mich, der eigentlich an Gerechtigkeit und einen fairen Umgang mit Menschen glaubt ist die Einsicht, dass diese Ideale im Asylverfahren kaum existieren, die wohl bedrückenste, die ich gewonnen habe. Sind diese Menschen, die Bedrohung von der Sie sprechen? Sind sie schuld an ihrem eigenen Schicksal, aufgewachsen zur falschen Zeit am falschen Ort? Was würde passieren, wenn wir Österreicher irgendwo um Schutz bitten müssten, wie es in der Geschichte doch auch schon vorkam?

Herr Strache, Sie predigen Nächstenliebe, aber ich glaube, die Ihre geht nicht über die eigene Nasenspitze hinaus.

Warum ich Ihre Partei nächsten Sonntag also nicht wählen werde, ist glaube ich jetzt klar geworden. Noch eines: Ich hätte auch gern die Macht und die Möglichkeit wie Sie „nette“ Briefchen an fast jeden österreichischen Haushalt zu schicken, um den Leuten einmal meine Meinung zu dem Thema kundzutun, aber das entspricht leider genauso wenig der Realität, als dass Sie diesen Brief jemals wirklich lesen werden. Nichtsdestotrotz würde ich mir wünschen, dass, wenn Ihnen die Jugendperspektive so wichtig ist, Sie, statt in der Passage zu feiern, sich der Lebensrealität stellen, die Ihre Aussagen betrifft. Ich lade Sie herzlich ein mir die Arbeit abzunehmen, dem jungen 15-jährigen Mädchen in die Augen zu sehen und ihr zu sagen, dass sie höchstwahrscheinlich keine Zukunft in unserem schönen Land hat. Und wenn Sie dann fragt warum dürfen Sie ihr die Antwort geben! Falls Sie dann immer noch nicht verstehen können, oder WOLLEN, vielleicht kann man Sie dann zu Fortbildungszwecken zu einem Praktikum im Asylrechtsbereich überreden?

Hochachtungsvoll,

eine empörte junge Bürgerin

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