Das bisschen Rassismus bringt doch niemanden um

Die meisten von Euch dürften es ja inzwischen mitbekommen haben. Die letzte Saalwette bei „Wetten dass..?“ präsentierte ein klassisches Beispiel von Blackfacing.

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Weiße Augsburger malten sich das Gesicht schwarz an, um Jim Knopf darzustellen, der übrigens, obwohl er in den meisten Büchern weiß dargestellt wird, ein Schwarzer ist. Es ging darum, dass Augsburg es schaffen soll, 25 Paare von Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, auf die Bühne zu bringen. Aufgefordert wurde dabei auch:

„Jim sollte natürlich schwarz geschminkt sein, Schuhcreme, Kohle, was auch immer!“

„Blackfacing“ nennt man die rassistische Darstellung von Schwarzen in Theatern, bei denen sich weiße Darsteller das Gesicht schwarz färben, um den etwas „dümmlichen Neger“ darzustellen. Eine Praxis, die ursprünglich hauptsächlich in den Minstrel Shows des 19. Jahrhunderts in den USA verwendet wurde, inzwischen aber international bekannt und kritisiert ist. Auch in Deutschland sollte sich spätestens seit dem Dokumentarfilm „Schwarz auf Weiß“2 von Günter Wallraff herumgesprochen haben, dass diese Art gegenüber Schwarzen beleidigend und diskriminierend ist.

Noch während der Saalwette ging ein zu erwartender Proteststurm durch die Internetgemeinde. Natürlich versuchte das ZDF erst mal abzuwiegeln. Alles nicht so schlimm, und schon gar nicht böse gemeint. Nun will man Markus Lanz und den Augsburgern wirklich keine Bosheit unterstellen, eine eine gehörige Portion Dummheit sollte man ihnen schon zusprechen dürfen.

In der Hannoverschen Allgemeinen kann man dazu lesen:

„Der Aufruf ist unserer Meinung nach keineswegs mit ,Blackfacing‘ in Verbindung zu bringen“, teilte eine ZDF-Sprecherin trocken mit. „Es gibt keinen echten und unechten Rassismus“, sagt dagegen Tahir Della, Vorstandsmitglied bei der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland aus München. „Entscheidend ist, was Schwarze selbst als diskriminierend empfinden.“ Und die Aktion des ZDF leiste eindeutig „rassistischen Vorurteilen Vorschub“. Sie sei damit für viele Betroffene „rassistisch“.

Und weiter:

Dass die weiße Mehrheit schnell abwiegle und fordere, man möge sich nicht mit derlei Marginalien aufhalten, kenne er. „Wir hören andauernd, wir sollten uns nicht so anstellen und uns lieber um ,echten‘ Rassismus kümmern“, sagt Della. „Es ist extrem mühsam und ätzend, sich von Weißen erklären zu lassen, was wir zu empfinden haben, was rassistisch ist und was nicht. Dabei ist es ganz einfach: Wir wünschen uns die gleiche Rücksichtname, die die Gesellschaft anderen Gruppen entgegenbringt, den Frauen etwa.“ Schwarze würden in den Medien „grundsätzlich karikierend dargestellt“, kritisiert Della.

Den wohl dämlichsten Artikel3, den ich dazu gelesen habe, ist der von Carsten Heidböhmer im Stern: „Wenn die Twitter-Elite zur Hetzjagd bläst“. Über den Proteststurm, der zuerst bei Twitter4 startete, schreibt Heidböhmer:

Es ist eine kleine, gut vernetzte Gruppe, die sich hier zu Wortführern aufschwingt. Es sind Mitglieder der Piratenpartei, Grüne und andere übliche Verdächtige.

„Andere übliche Verdächtige“? Alleine schon dafür müsste man ihm den Artikel um die Ohren hauen.

Heidböhmer:

Um es auf den Punkt zu bringen: Hier debattieren weiße Akademiker mit weißen Netzaktivisten über Rassismus.

Man fragt sich schon, woher er weiß, dass es sich bei den Twitternden nur um Weiße gehandelt hat.

Heidböhmer verweist dann als Rechtfertigung, das alles nicht so schlimm ist, auf diesen Tweet:

Ob Djamil Deininger damit eigentlich sagen wollte, dass Deutschland halt einfach dämlich ist (In Bezug auf dieses Thema!), darüber macht sich Heidböhmer keinen Kopf mehr. Wäre ja auch zuviel verlangt, mal ein bisschen weiter zu denken.

Nun, wo sich auch die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland e.V. in einem Offenen Brief an die ZDF-Wetten dass…? Redaktion gemeldet hat, rudert Heidböhmer ein wenig zurück:

…das Thema werde „fast ausschließlich“ von Weißen diskutiert.

Also habt euch nicht so? Das bisschen Rassismus bringt doch niemanden um, oder?

  1. Bildquelle: Commons Wikimedia, This image (or other media file) is in the public domain because its copyright has expired. []
  2. Ich habe den Film gestern bei YouTube angeschaut, es ist ein ziemlich dümmliches Machwerk, in dem der Schwarze von Wallraff die ganze Zeit als ein etwas naiver und hilfloser Mensch dargestellt wird, der die ganze Zeit mit seinem Einkaufsbeutel durch die Gegend stolpert und u.A. auf der Suche nach Brombeeren ist. Das richtige zum fremdschämen. []
  3. via trueten.de []
  4. Es liegt in der Natur der Sache des schnellen Mediums Twitter, dass dort die Diskussion zuerst zu verfolgen war. []
  1. 2 Reaktionen

  2. Von Domescu am 19. Dez 2013 um 02:27 Uhr

    Gute Zusammenfassung. So dargestellt dürfte es hoffentlich jeder verstehen.

  3. Von dauni am 26. Dez 2013 um 13:13 Uhr

    Dem guten Artikel von Imre Grimm in der HAZ folgte am nächsten Tag ein zweiter eines anderen Schreiberlings.
    Vermutlich hatte die Reaktion Muffensausen bekommen und sich dazu entschlossen, das Ohr am Hinterteils des Volkes zu halten. Die Kommentare dazu bzw. die Leserbriefe in der Printausgabe waren denn dementsprechend. „Man wird ja wohl noch sagen, dürfen…“

    Und die dürfen alle wählen.. 👿 Geh mir weg mit Volksabstimmung. Das kann nur schlimm enden.

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