Der 12. Februar in Dresden

Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: Das war ein schwarzer Tag für Dresden. Mehrere hundert Nazis konnten praktisch ungehindert durch Dresden marschieren. Ihr Start war am Theaterplatz vor der Semperoper, eine Zwischenkundgebung fand vor der Trümmerfrau statt und die Abschlusskundgebung vor dem Hauptbahnhof.

(Die Bilder gibt es diesmal alle am Ende des Artikels)

Das Bündnis Dresden Nazifrei hatte um 17.30 auf dem Theaterplatz zu einer Kundgebung aufgerufen. Erst kurzfristig war bekannt, dass die Nazis auch am 12. eine Aktion mit vermutlich 50-80 Leuten planen, genaueres wusste niemand. In die Öffentlichkeit war eigentlich nur gedrungen, dass die Nazis am 13. vor der Frauenkirche auf dem Neumarkt eine stationäre Kundgebung abhalten wollten, diese wurde ihnen dort aber nicht erlaubt, als Ausweichpunkt wurde der Sternplatz (AOK) vermutet.

Am Abend sammelten sich mehrere hundert Antifaschisten auf dem Theaterplatz in Höhe der Schinkelwache. Da war schon ein sehr großes Polizeiaufgebot festzustellen, sowohl dort als auch auf dem Postplatz. Nur wenige Meter entfernt, vor dem Italienischen Dörfchen, sammelten sich nach und nach mehr Nazis. Einige bekannte Dresdner Kader wurden dort identifiziert. Die Polizei trennte beide Lager, bis dahin sah alles nach einer normalen Kundgebung aus. Diese begann ca. gegen 18 Uhr.

Es wurden jedoch immer mehr Nazis und wie sich herausstellte, sollte es von denen auch eine Demonstration mit Fackeln und dem ganzen Pipapo geben, vermutlich in Richtung Hauptbahnhof. Zwar waren mehrere Zugangsstraßen zum Theaterplatz antifaschistisch blockiert, die Nazis wurden jedoch unter den plärrenden Geheule ihres Lautsprecherwagens hinter dem Taschenbergpalais Richtung Kulturpalast geleitet. Von dort bogen sie auf die Wilsdruffer Straße Richtung Pirnaischen Platz ab.

In Höhe Kulturpalast musste ich miterleben, wie zwei oder drei Nazigegener brutal von der Polizei verhaftet wurden. Sie standen ungefähr 10 Meter vom Aufmarsch entfernt auf einem erhöhten Podest (Brunnen) und trotz markiger Worte und Gesten in Richtung der Nazis waren sie absolut friedlich. Trotzdem stieß sie die Polizei brutal runter und nahm sie dann unter erheblicher Gewaltanwendung fest.

Die Nazis liefen ungehindert weiter die St. Petersburger Straße in Richtung Rathaus, wo sie vor der Trümmerfrau eine Zwischenkundgebung abhielten. Es ist schon eine Ironie, ist das Denkmal doch denjenigen Frauen gewidmet, die nach dem Krieg die Stadt vom Schutt räumten, die in einem Krieg zerstört wurde, der von den deutschen Nazis angefangen wurde. Aber da kannte die Stadtverwaltung Dresden offensichtlich keine Skrupel, so eine Farce zu erlauben und polizeilich schützen zu lassen.

Anschließend liefen die Nazis weiter in Richtung Hauptbahnhof. Auf der St. Petersburger Straße kam es dann doch noch zu mehreren Blockaden engagierter Nazigegner, die jedoch alle von der Polizei geräumt wurden. Die Abschlusskundgebung der Nazis fand vor dem Hauptbahnhof statt, wo sie noch einen Film anschauten.

Letztendlich war der Tag für die Nazis leider ein Erfolg. Zwar wurde ihr Marsch mehrmals etwas verzögert, aber die Polizei sorgte für einen mehr oder weniger reibungslosen Ablauf. Lediglich akustisch wurden sie die ganze Zeit ordentlich gestört.

Wie konnte es aber nach jahrelangen Widerstand in Dresden zu so einem Ergebnis kommen? Ich vermute, dass es von Anfang an der Plan der Nazis war, am 12. groß aufzumarschieren. Es würde mich auch sehr wundern, wenn man in der Stadt Dresden und bei der Polizei wirklich erst so kurzfristig davon erfahren hat, wie es kommuniziert wurde. Dagegen spricht einmal ein großes und wirksames Polizeiaufgebot und anderseits, das es den Nazis mitten in der Woche gelungen ist, mehrere hundert (300-500) ihrer Kameraden zu mobilisieren. Ich hoffe, dass die Sache noch ein Nachspiel hat.

Was nun am 13. passieren wird, das ist noch unklar. Ab 14.00 Uhr ruft das Bündnis Dresden Nazifrei zu dem Mahngang Täterspuren ab Schützenplatz auf und um 18 Uhr wird die Stadt wieder ihre leidige Menschenkette abhalten. Was nützt sie? Ob und wann die Nazis noch etwas abhalten, das wird sich im Laufe des Tages ergeben. UPDATE: Laut aktuellen Informationen haben die Nazis ihre Anmeldung für den 13. zurückgezogen. Wir müssen aber auf jeden Fall davon ausgehen, das von ihnen genügend in der Stadt sind und sie sich auch versuchen unter die Menschenkette zu mischen bzw. stellenweise zu provozieren.

Weitere Links (Wird event. noch erweitert):

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  1. 5 Reaktionen

  2. Von gewe am 13. Feb 2014 um 10:30 Uhr

    Schöne Sauerei – dass die Stadt Dresden politisch nicht Willens ist, diese braunen Aufmärsche zu verbieten.

    Bei laufenden NSU-Prozess muss man diesen 12.Februar als Eklat deutscher Sonderklasse werten. Der ungehinderte Aufmarsch wird die Nazis ermutigen, im kommenden Jahr mit der zig-fachen Anzahl ewig Unbelehrbarer aufzumarschieren. Hier war Dresden schon mal weiter.
    Das werte ich auch als eine gezielte Provokation gegen die Antifa. Da wurde im Hintergrund heimlich diese Riesensauerei vorbereitet, also geplant und organisiert. Das diesjährige Anmelde-Verbots-Prozess-Geschehen war nur pure Show, um die Nazigegner zu täuschen. Hat prima geklappt. Wer der Politprominenz trägt in dieser geprüften Stadt dafür die Verantwortung? Wer wird dafür bestraft?

    Ich bin sicher, etliche Verantwortliche darf man heute beim Händchen halten bewundern. Aber Täuschen und Verdummen gehört ja zur Staatsdoktrin der imperialistischen Bundesrepublik. Hoffentlich schaut Europa so interessiert nach Dresden, wie vor Wochen nach Kiew.

  3. Von dauni am 13. Feb 2014 um 16:57 Uhr

    Das Bild, auf dem das Plakat mit Füßen getreten wird, sagt alles aus über den Zustand in dieser Republik. Kann ich das für mein Blog bzw. Facebook verwenden?

  4. Von Woschod am 13. Feb 2014 um 19:49 Uhr

    Klar, so wie es auch im Impressum steht

  1. 2 Trackback(s)

  2. 13. Feb 2014: Nazis lassen Blockaden ins Leere laufen | Alternative Dresden News
  3. 16. Feb 2014: trueten.de - Willkommen in unserem Blog!

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