Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Bündnis gegen die Nato-Kriegskonferenz

Samstag, 4. Februar 2012 um 13 Uhr Auftakt am Stachus, Demonstration zum Marienplatz

Neu im Bücherregal

Die Ausbeute der diesjährigen RL-Konferenz / LLL-Demo war bescheiden. Bewusst bescheiden! Ich habe nur zwei Bücher gekauft und eines bestellt (und drei vorgemerkt für später). Außerdem habe ich nur 5 Flugblätter angenommen! :)

- Jutta Ditfurth “Ulrike Meinhof – Die Biografie”
- Detlef Joseph “Die DDR und die Juden – Eine kritische Untersuchtung”

Zug des Lebens

Immer wieder ein sehenswerter, sehr emotionaler und meistens auch schrecklich amüsanter Film ist “Zug des Lebens”. Ein kleines jiddisches Dorf in Osteuropa kauft sich einen Zug, um der Deportation durch die Nazis quasi wegzufahren. Den Film sollte man unbedingt mal angeschaut haben!

Mein Lieblingszitat daraus:

„Das Deutsche ist sehr hart, Mordechai, präzise und traurig. Jiddisch ist eine Parodie des Deutschen, hat jedoch obendrein Humor. Ich verlange also nur von ihnen, wenn sie perfekt deutsch sprechen wollen, ohne eine Spur von jiddischem Akzent, den Humor wegzulassen. Sonst nichts.“ – „Wissen die Deutschen, dass wir ihre Sprache parodieren? Vielleicht ist das der Grund für den Krieg?“

Buchtipp: Noah Sow “Deutschland Schwarz Weiss – Der alltägliche Rassismus”

Mal ehrlich, ihr seit doch keine Rassisten. Oder? Niemals irgendwelches rassistisches Gedankengut?

Ja, so dachte ich bisher auch von mir. Bis ich bei einer Freundin das Buch “Deutschland Schwarz Weiss” von Noah Sow gefunden und gelesen habe. Und die wohl entscheidenste Erkenntnis für mich war: Ja, auch ich benutze rassistische Begriffe und verhalte mich manchmal rassistisch.

Auch wenn Noas Sow am Ende des Buches ihren Dank auch an “diverse Nahkontaktnazis für das Wiedererwecken meines politischen Kampfgeistes (das ging dann wohl nach hinten los, ihr Clowns)” ausspricht, geht es in diesem Buch nicht um Nazis. Das Anliegen des Buches ist es auch nicht, den Leser als schlechten Menschen darzustellen, sondern ihm die Augen zu öffnen über das, was den alltäglichen Rassismus im Miteinander, im Alltag, in den Medien und an vielen anderen Stellen des Lebens ausmacht.

Was ist dieser alltägliche Rassismus? Dazu ein Zitat von der Webseite des der braune mob e.V., “Deutschlands erster Schwarzen media-watch-Organisation, gegründet im Jahr 2001 von professionell Medienschaffenden, Jurist_innen, Künstler_innen und Aktivist_innen, die eine diskriminierungsfreie deutsche Medienöffentlichkeit erreichen wollen.”:

BIN ICH EIN RASSIST?

Keine Angst, Rassisten sind nicht unbedingt prügelnde Glatzen sondern manchmal erwischt es auch nur Leute, die den Unsinn, den ihnen ihr Umfeld/die Öffentlichkeit eingeredet hat, noch nicht unter Einsatz von Logik selbst hinterfragt haben. Rassismus heißt nicht, eine bestimmte “Rasse” zu “hassen”, sondern zu glauben, dass Menschen wegen ihrer biologischgeografischen Herkunft “angeboren” oder “naturgemäß” über spezifische Vorlieben, Talente, Neigungen oder Charakter-Eigenschaften verfügen.

Rassismus ist unter anderem:

  • der Reflex, die Strassenseite zu wechseln wenn einem zwei Schwarze entgegenkommen.
  • eine Frau als “Cappuchinoschönheit” zu bezeichnen.
  • zu finden, dass “Schwarze super singen können” und nochmal nachzufragen, ob der Schwarze Rechtsanwalt “wirklich Rechtsanwalt ist”, nur um ganz sicher zu gehen.
  • Schwarze Deutsche zu fragen, wo sie “wirklich herkommen” und ob der “Papa oder die Mama Schwarz” sei.
  • zu sagen “wir haben doch schon einen Schwarzen in der Band, noch einer muss nicht sein”.
  • zu sagen “ich kenne viele Schwarze also kann ich kaum Rassist sein” oder “in Deutschland gibt es doch gar nicht soo Rassismus”.
  • zu ignorieren, dass unsere Gesellschaft weiße Menschen strukturell und institutionell stark bevorzugt, und dadurch sein weißes Privileg zu leugnen.

Am Wochenende auch mal mit Schwarzen auszugehen bedeutet nicht automatisch, dass man kein Rassist ist. Ebenso wenig wie mit vielen Frauen zu sprechen nun mal nicht bedeutet, dass man “kein Sexist sein kann”.

Darum geht es in dem Buch. An Hand unzähliger Beispiele zeigt Noah Sow auf, wie verbreitet rassistische Elemente sind, selbst da, wo man es eigentlich gar nicht vermutet, wie z.B. einer Werbung von UNICEF. Wenn man sich nach der Lektüre mit offenen Augen durch unsere Zeit bewegt, dann kann man, den Willen vorausgesetzt, erkennen, wie oft einem Rassismus begegnet. Diese erste Erkenntnis ist der wohl wichtigste Schritt dazu, sich nicht rassistisch zu verhalten. Dafür lohnt es sich, dieses Buch zu lesen.

www.deutschland-schwarzweiss.de

junge Welt gibt keine Informationen an Behörden weiter

Die Berliner Zeitung schreibt:

Die Warnung kam um 7.30 Uhr per E-Mail, und sie war in durchaus freundschaftlichem Ton gehalten. „Liebe Mitbewohner“, schrieb ein Unbekannter den Besetzern des Hauses in der Brunnenstraße 183 im November 2009. Am kommenden Tag werde ihr Haus polizeilich geräumt. „Ich bin Polizist, das ist kein Scherz“, so der Schreiber. (…) Die elektronische Nachricht nahm einen kuriosen Weg. Sie gelangte nicht nur in die Hände der Hausbesetzer, sondern auch in den Rechner eines Journalisten bei der Zeitung Junge Welt. Dieser leitete die E-Mail an die Pressestelle der Polizei weiter, um zu ergründen, was es damit wohl auf sich habe. Seine Quelle schützte er nicht.

Unter anderem Fefe hat es einfach mal so weiterverbreitet:

Pressedomino: Heute verabschieden wir uns von der Jungen Welt. (…)

Die Junge Welt dementiert diesen Vorgang entschieden:

junge Welt: junge Welt gibt keine Informationen an Behörden weiter

Berlin (ots) – Ohne Quellenangabe behauptet Julia Haak in der Berliner Zeitung (Mittwochausgabe), ein Journalist der Tageszeitung junge Welt habe im Zusammenhang mit der Räumung eines besetzten Hauses in der Brunnenstraße im November 2009 eine E-Mail eines Informanten an die Pressestelle der Polizei weitergeleitet, “um zu ergründen, was es damit wohl auf sich habe. Seine Quelle schützte er nicht.” Ähnlich der Tenor von Norbert Siegmund in der rbb-Abendschau. Konrad Litschko wiederum gibt in der taz (“Seltsame Mail an linkes Projekt”) Aussagen eines Polizeiermittlers vor Gericht wieder: “Die E-Mail sei ihnen erst nach der Räumung in die Hände geraten, als ein Journalist der jungen Welt bei der Pressestelle dazu Nachfragen stellte.”

Uns besonders “eng verbundene” Internetportale spitzen zum Verratsvorwurf zu: “junge Welt brachte Polizei auf Spur eines Informanten” schlagzeilte etwa Patrick Gensing in “publikative.org”. Die junge Welt firmiert bei ihm als “linksdogmatische Zeitung”. Benjamin Krüger vom BAK Shalom der Linksjugend weiß auf Facebook schließlich: “Offenbar hat die junge Welt einen Informanten an die Polizei verraten. Unglaublich.”

Keiner hat bei dieser Zeitung oder dem fraglichen Kollegen vor der Veröffentlichung nachgefragt. Tatsache ist: Die junge Welt gibt keine Informationen an Behörden weiter. Nachfragen seitens der Polizei oder anderer Stellen müssen an die Chefredaktion oder die Geschäftsführung weitergeleitet werden. Mitarbeitern, die gegen diese eklatanten Grundsätze journalistischer Arbeit verstoßen, wird fristlos gekündigt.

Eben diese Grundsätze wurden beachtet. Das versicherte am Donnerstag der Kollege, der seit mehr als einem Jahr nicht mehr bei junge Welt arbeitet, auf unsere Nachfrage. Im übrigen verweisen wir darauf: Nach dem Publikmachen der E-Mail durch das Projekt “Brunnen 183″ im Internet und dem jW-Bericht am 3. Dezember 2009 (“Großeinsatz nach Plan oder Panne? Vor der Räumung des alternativen Wohnprojekts Brunnenstraße 183 in Berlin erhielten die Bewohner dubiose Warnungen. Polizei kündigt Prüfung an”) hatte das Berliner Landeskriminalamt die Redaktion über Monate mit Anfragen belästigt und bedrängt, das fragliche Schreiben herauszurücken, was in jedem einzelnen Fall mit Verweis auf die genannten journalistischen Grundsätze abgelehnt wurde.

Redaktion junge Welt und Verlag 8. Mai

Hier nochmal ausführlicher bei Junge Welt: Freihändig beschuldigt

Ehemaliger jW-Redakteur soll einen Informanten an die Polizei verraten haben. Einen Beweis dafür gibt es bislang nicht, wohl aber Fakten, die dagegen sprechen

weiterlesen…

Gerhard Polt: Das Feuerwerk

Bis nächstes Jahr denne. :)

Zwei Nachrichten

Einfach mal so, bei beiden weiss man nicht so richtig, ob man lachen oder weinen soll über soviel Wahnsinn.

1. Kirchen: Homo-Verfolgung statt Entwicklungshilfe

Eigentlich gilt hier der berühme Spruch: “Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte.

Im bitterarmen Sambia fordern die katholische und evangelische Kirchen, dass der Staat lieber auf westliche Entwicklungshilfe verzichten solle als auf die Verfolgung von Schwulen und Lesben.

2. Wochenendurlaub auf Kosten der Landeskasse

Ganz anderes Thema und trotzdem verrückt. Vor allem, wenn man sich anschaut, wie knapp da jemand einer ungerechtfertigten Strafe entkommen ist.

Erst ein Beweisantrag, nach allen Regeln der Kunst schriftlich formuliert, brachte das Gericht dazu, die Verhandlung zu unterbrechen und die 13 Jungs als Zeugen zu laden. Die hatten natürlich richtig Spaß, eine Woche später freitags nach Berlin zu kommen, erst zum Gericht und dann auf die Piste, um den Freispruch gebührlich zu feiern.

(…) Berlin finanziert die Sauferei von gelb-schwarzen Fußballfans. Unglaublich!

Wir schließen

Nein, nicht dieses Blog. Zwar ist es in den letzten Wochen hier mal wieder sehr, sehr ruhig, aber das Blog bleibt weiter bestehen. Ich habe auch noch einiges an Material für den sonntäglichen Kunstspaziergang. :) (Und falls jemand Vorschläge für Inhalt hat, immer her damit.)

Geschlossen wird jedoch endgültig zum Jahresende das Stalinforum. Wir hatten dort einige Jahre viel Spaß. Aber inzwischen haben sich die Prioritäten der aktivsten Mitglieder auf andere Dinge des Lebens konzentriert. Mich macht das nicht traurig, so ist das Leben nun mal. Aber es war schon eine schöne Zeit in dem Forum. Vor allem war es unter all denn sozialistischen, kommunistische, linken, geliebten und gehassten Foren im Internet wohl ziemlich einzigartig.

Seit einer Weile sind dort Neuanmeldungen ja bereits nicht mehr möglich. Zum Jahresende werde ich dann auch allen anderen die Schreibrechte entziehen. Im Lesemodus wird dieses Forum jedoch bis auf weiteres bestehen bleiben.

Und in Zukunft… Ja mal schauen. :)

Internes:

Aus irgendeinem Grund funktioniert die Ansicht eines Artikels derzeit nicht, wenn man den als einzelnen Artikel aufruft. Seit dem Update auf die aktuellste WordPress-Version. Ich werde das demnächst mal korrigieren.

Der Mensch

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.

Der Mensch ist ein Wirbeltier und hat eine unsterbliche Seele, sowie auch ein Vaterland, damit er nicht zu übermütig wird.

Der Mensch wird auf natürlichem Wege hergestellt, doch empfindet er dies als unnatürlich und spricht nicht gern davon. Er wirdgem acht, hingegen nicht gefragt, ob er auch gemacht werden wolle.

Der Mensch ist ein nützliches Lebewesen, weil er dazu dient, durch den Soldatentod Petroleumaktien in die Höhe zu treiben, durch den Bergmannstod den Profit der Grubenherren zu erhöhen, sowie auch Kultur, Kunst und Wissenschaft. Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören. Man könnte den Menschen gradezu als ein Wesen definieren, das nie zuhört. Wenn er weise ist, tut er damit recht: denn Gescheites bekommt er nur selten zu hören. Sehr gern hören Menschen: Versprechungen, Schmeicheleien, Anerkennungen und Komplimente. Bei Schmeicheleien empfiehlt es sich, immer drei Nummern gröber zu verfahren als man es gerade noch für möglich hält. Der Mensch gönnt seiner Gattung nichts, daher hat er die Gesetze erfunden. Er darf nicht, also sollen die anderen auch nicht.

(Tucholsky)