Archiv für die Kategorie ‘13. Februar’

Einfach nur “gegen Nazis” sein reicht nicht

Im Folgenden veröffentliche ich ebenfalls einen offenen Brief einer Gruppe von Women und People of Color. Er ist insbesondere an das Bündnis Dresden Nazifrei gerichtet, ich denke aber, jeder sollte sich damit auseinandersetzen. Er zeigt, wie schwierig es ist, auch als überzeugter Antifaschist sich so zu verhalten, dass man wirklich antifaschistisch und diskriminierungsfrei handelt. Der Brief ist meiner Meinung vor allem ein Denkanstoss.

“Sehr geehrte Organisator_innen des Bündnisses Dresden Nazifrei,

wir sind eine Gruppe von Women und People of Color und waren am Samstag, den 18.2.2012 bei der Demonstration in Dresden. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass die Nazis nicht marschieren konnten. Umso ärgerlicher, dass schnell erkennbar wurde wie klein der gemeinsame Nenner in dem Bündnis ist und es keinen Konsens bezüglich rassistischer und sexistischer Normalitäten in dem Bündnis gibt. Es war sehr enttäuschend und verletzend, dass sich die Demo gleich zu Beginn mit ihrer Auftaktband selbst als weiß konstituiert und damit allen Menschen in der Demo, die sich als PoC positionieren und Rassismuserfahrungen machen (und anders selbstbezeichnen) eine Absage erteilt.

Schon auf der ersten Kundgebung vor dem Dresdner Hauptbahnhof begann die Auftaktband Lieder mit sehr fragwürdigem Inhalt zu spielen und damit einen Konsens von rassistischer Normalität zu etablieren, indem sie Begriffe rassistischer Markierungspraxis wie N-/I-/Z- Wörter verwendet. Das mag in der Absicht passiert sein, sich von Nazis abzugrenzen und deren Ideologie zu dekonstruieren, hat aber in erster Linie Rassismus (re-) produziert. Und ihr als Bündnis bietet Menschen dafür eine Bühne.

Das ist schlichtweg ignorant und kann nur aus weißer Sichtweise witzig sein. Für uns People of Color ist Faschismus und Rassismus eine schmerzhafte Realität und keinesfalls eine gute Satire!

Wenn nicht gesehen wird, dass die Band und weiße Aktivist_innen diese Begriffe nur aufgrund von weißen Privilegien ertragen können, während es für andere in der Demo eine Reproduktion der alltäglichen, rassistischen Erfahrungen ist, ist der einzige Effekt, dass hier ein weißes Selbstverständnis der weißen linken antifaschistischen Szene und Bewegung reproduziert und etabliert wird, das den Ausschluss von Menschen mit Rassismuserfahrung schon im Ansatz beinhaltet.

Hinzu kommt, dass auf den unterschiedlichen Lautis Musik lief, in/mit der weiße Antifamännlichkeiten sexistische und rassistische „Reviermarkierungen“ von sich geben. Wenn weiße (nicht nur) Antifajungs sich hinstellen und das N-Wort grölen dann signalisiert das Herrenrassenverhalten; sich über alle Stimmen derer die Rassismus erleben hinweg zu setzen mit der Gewissheit sich als weißer Mensch die Definitionsmacht aneignen zu können.

Zuletzt hat eine weiße männliche Band Rroma Lieder gespielt und alle tanzten. Denkt bitte darüber nach wer, wann und wo welche Lieder spielen sollte! Das ist purer Kulturkannibalismus und für die Rromni unter uns wieder mal ein Schlag ins Gesicht!

Die Liedauswahl auf den Lautis wurde auch in sexistischer Hinsicht im Laufe der Demonstration schmerzhaft. Was fällt euch ein, auf einer Demonstration sexistische Lieder wie “Mambo Number Five” und “Barbie Girl” zu spielen? Mit dieser Anbiederung an den sexistischen und rassistischen Mainstream verharmlost ihr den Grund, weshalb überhaupt demonstriert wird. Eure Demonstration wurde dadurch zur Party, Antirassismus und Antifaschismus zum Film, den sich weiße Deutsche für ein paar Stunden in Dresden ansehen und dann wieder nach Hause fahren können. Und im schlimmsten Fall geben sie sich dafür noch einen Cookie.

Apropos Cookie: Warum habt ihr die ganze Zeit über Lobeshymnen für euch gesungen? Sicher ist es erfreulich, dass Nazis nicht marschieren können, aber sich die ganze Zeit über selbst dafür zu loben, ist absolut unangebracht. Glaubt ihr der Rassismus ist damit besiegt? In diesem Land sind rassistische Denkstrukturen in allen Köpfen tief verankert. Und ja, auch in euren! Im Übrigen ist es die Pflicht, keine Heldentat jedes_r weißen Deutschen etwas gegen Rassismus und Faschismus zu tun. Rassismus ist ein Problem der Weißen, das PoCs und Schwarze ausbaden müssen. Das Verhindern eines Naziaufmarsches ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein in einem Land, in dem Rassismus strukturell und institutionell verankert ist. Es ist nicht mehr, als das Einfordern eines Mindestmaßes. Wir sehen darin keinen Grund eine fette Party zu veranstalten, denn für uns gehen die rassistischen Erfahrungen im Alltag weiter. Und die Erfahrungen auf dieser Demonstration haben gezeigt, dass sie nicht mal in diesem Bündnis für den Moment einer Demo aufhören. Das Mindestmaß ist kein Grund sich auf Selbstlob auszuruhen, denn ein Großteil der Menschen in der Demo mussten sich Rassismus und Sexismus antun, Verletzungen und Ausschluss gefallen lassen um dieses Mindestmaß (nach außen) zu tragen.

Auch eine vorgebliche Solidarisierung weißer Aktivist_innen ändert nichts daran, wenn weiße Aktivist_innen nicht ihre Privilegien und Kompliz_innenschaft überdenken. Ganz im Gegenteil.

Auf der Demo haben weiße Teilnehmer_innen mit Kofiyye die Kurdistan- und die Palästina-Flagge geschwungen. Das ist eine Aneignung von Kämpfen, die vorhandene Machtstrukturen reproduziert. Das ist nicht nur rassistisch, sondern auch neokolonialistisch. Haben die Eltern weißer Demonstrierender den Krieg und die Verfolgung in Kurdistan und/oder Palästina miterlebt? Sind sie etwa selbst Kurd_innen oder Palästinenser_innen? Nein! Demnach müssen sie sich zunächst mit ihren Privilegien als Weiße in der deutschen Gesellschaft auseinandersetzen, eines dieser Privilegien ist es zum Beispiel nicht über Flucht- und Rassismuserfahrungen zu verfügen, die Kurd_innen, Palästinenser_innen und andere PoCs Tag für Tag erleben. Ihr wollt solidarisch sein? Dann hört auf euch unsere Kämpfe anzueignen! Solidarisiert euch ohne gleich für andere zu sprechen.

Als PoC haben wir uns in eurem weißem Mob unsichtbar gemacht und unterrepräsentiert gefühlt, als Women of Color noch viel mehr. Es haben mehrheitlich weiße Männer gesprochen und die Redebeiträge waren sehr verletzend. Leidet ihr etwa unter Rassismus? Step aside the subaltern speaks!

Es wurde von ‚Ausländern‘ gesprochen, aber PoCs, Menschen die Rassismuserfahrungen machen, gemeint. Damit habt ihr eine Vielzahl von Menschen fremdbezeichnet und sie auch noch als Nicht-Deutsche qualifiziert. Ihr habt wieder einmal deutsch als weiß definiert und damit vielen Menschen abgesprochen in dieses Land gehören zu können. Faschismus und Rassismus scheißen aber auf Staatszugehörigkeit oder glaubt ihr die Nazis haben erst nach dem Perso gefragt? Was Faschismus und Rassismus aber bewirken, und ihr schön stützt, ist Menschen zu vermitteln, dass sie keine Rechte, keine Stimme, keine Zugehörigkeit, keine Berechtigung haben, weil sie Menschen sind, die nicht in die rassistische Vorstellung von weißem Deutschsein passen. Und das funktioniert hervorragend indem man sie als Ausländer markiert und pauschalisiert, denn als solche haben sie ja per se keine Rechte.

Eine Awareness für die Themen (Hetero-)Sexismus und Rassismus in euren Strukturen – egal in welchen Teilen des fragmentierten Bündnisses – bleibt dringend nötig! Rassismus bekämpfen bedeutet nämlich in erster Linie bei sich selbst anzufangen, demzufolge sollten sich alle erst einmal mit ihrer Whiteness und den daraus folgenden Privilegien auseinandersetzen und eine solche Auseinandersetzung auch in die Bündnisse tragen.

Wenn ihr tatsächlich wollt, dass es eine antifaschistische Bewegung gibt, dann müsst ihr anfangen nachzudenken was euer eigener Anteil an dem seltsamen Fakt, dass bei diesen Aktionen wenig Frauen und noch viel weniger Women of Color und People* of Color zu treffen sind!

Und für den Fall, dass sich gerade eine Gegenwehr bei euch regt von wegen die kommen ja nicht; das ist nicht die Aufgabe von Menschen mit Rassismuserfahrungen, sondern es ist die Verantwortung weißer (männlicher) Aktivist_innen die eigene Kompliz_innenschaft zu reflektieren und daraus handlungswirksame Konsequenzen zu ziehen.

Was auch immer das nächste Jahr bringt, Whiteawareness und konkret der Ausschluss von Musik mit rassistischen Begriffen gehören in den Konsens des Bündnisses. Wir fordern Whiteawareness- und Antisexismus- Teams die auf jedem Lauti ansprechbar sind und intervenieren und eine Mehrheit von People, Women, Queers, Trans* und Men of Color als Sprecher_innen!

Wir behalten uns vor diese E-Mail und ihre Antwort(en) zu Dokumentationszwecken zu veröffentlichen.”

(via Der schwarze Blog & Karano)

Andere über den 19. Februar in Dresden

Ihr dürft mal raten, wer diesen Mist geschrieben hat.

(…) Die bunte Mischpoke von „Dresden Nazifrei“, wo vermeintliche Linke, Sozialisten und Kommunisten, unbeirrt zusammen mit Antideutschen Kriegstreibern, bürgerlichen Kapitalisten sowie parasitären Ein-Punkt-(Anti)faschisten, Nazis blockieren wollen, haben sich doch tatsächlich gegen Faschismus und Krieg auf ihre Fahnen geschrieben, Heuchelei! Im Aufruf wird die erfolgreiche Zusammenarbeit der Vorjahre gefeiert, weil es immer mehr Menschen wurden die sich vom Kapitalismus, ohne es beim Namen zu nennen, auf einen Nebenkriegsschauplatz umleiten ließen. Denn schließlich will sich die bunte Mischpoke unter gar keinen Umständen durch die Extremismustheorie spalten lassen und sich lieber solidarisch zusammenschließen, dabei werden dann auch schon mal ein oder beide Augen zugedrückt , um mit dem angeblichen Feind gegen einen anderen konstruierten Feind zu demonstrieren bzw. diesen zu blockieren. So schafft man sich seine ganz eigene „Volksgemeinschaft“. Die bürgerliche Herrschaft hat ihr Ziel erreicht, sie hat eine Linke nach ihren Vorstellungen, jetzt wird dies nur noch weiter perfektioniert. (…)

Der 18. Februar in Dresden: Nazifrei!

Nachdem die Nazis vor einigen Wochen ihren geplanten Aufmarsch für den 18. Februar abgesagt hatten, wurde vom Bündnis Dresden Nazifrei Plan B ausgerufen, eine große Demonstration gegen sächsische Verhältnisse. Zu kritisieren gab es viel, insbesondere die Kriminalisierung von Antifaschisten.

Der Aufruf war bekannt, was soll man groß noch sagen… Es war Wahnsinn! Weit über 10.000 Antifaschisten bildeten eine Demonstration, deren laufender Zug an sich länger war als die komplette Naziroute am 13. Februar. Damit dürfte Dresden eine der größten Demonstrationen der letzten 20 Jahre erlebt haben, wenn nicht sogar überhaupt die größte.

Bereits kurz nach 10 Uhr waren schon weit über tausend Menschen am Hauptbahnhof und bis zur Auftaktkundgebung um 11 Uhr wurden es immer mehr. Freunde, Genossen, Antifaschisten von überall aus Deutschland. Aus Hannover, Stuttgart, Berlin, Dortmund. Da kann man nur noch sagen: Danke, dass ihr alle da wart. Und sogar das Wetter war auf unserer Seite.

Gegen 11.30 Uhr ging die Demonstration los. Es dauerte erwartungsgemäß länger, und während die ersten schon am Pirnaischen Platz waren, liefen die letzten erst am Hauptbahnhof los. Das sind alleine 1000 Meter. In Höhe der Synagoge, vor der Carolabrücke, gab es bereits die erste Zwischenkundgebung. Das heiß, über den ganzen Demozug verteil waren es eigentlich mehrere Kundgebungen, da eine alleine gar nicht für alle reichte.

Weiter ging es am Innenministerium vorbei, wo die sächsische Politik symbolisch einige Auszeichnungen bekam. Unter Anderem einen Preis in der Kategorie „Pseudoaktivismus gegen Neonazis“ für die Stadt Dresden.

Über den Albertplatz ging es zum Bahnhof Neustadt, auch dort gab es eine Zwischenkundgebung, denn dies war der Platz, an dem die Nazis 2010 erstmals wirklich erfolgreich blockiert wurden. Wäre hätte damals gedacht, dass wir ihnen dreimal in Folge eine solche Abfuhr erteilen würden?

Die Demonstration endete schließlich am Roten Baum, wo im letzten Jahr ein Polizeieinsatz gegen eine angebliche Koordinierung der Proteste in Dresden stattfand, einen Einsatz, für den sich die Polizei später sogar entschuldige musste.

War es bis dahin eine sehr friedliche Demonstration, gab es dann leider doch noch kurze Zusammenstöße zwischen Polizei und Antifaschisten, da die Polizei wohl meinte, noch vermeintliche Straftäter aus der Kundgebung herauszuholen. Glücklicherweise beruhigte sich die Lage recht schnell wieder, und für alle Beteiligten war es eine großartige Demonstration.

Nazis wurden an diesem Tag keine in Dresden gesehen, nur in zwei kleineren Städten (Worms & Gera) versuchten Nazis eine spontane Demonstration durchzuführen, scheiterten aber an dem entschiedenen regionalen Widerstand.

Übrigens gab es auch von den „Offiziellen“ der Stadt Dresden eine Kundgebung. Da fanden sich geade mal 1000 Menschen zusammen…

Das erste Fazit von Dresden Nazifrei:

„(…) Dieser Tag war alles in allem ein großer Erfolg für uns. Mehr als 10.000 Antifaschist_innen haben gezeigt, dass sie einen Großaufmarsch der Nazis nicht dulden wollen und dass wir gemeinsam gegen Repression stehen. Auch haben sie ein kraftvolles Zeichen gegen die Verhältnisse gesetzt, die das jährliche Dresdner Event erst möglich gemacht haben. Vielen Dank an alle, die da waren! (…)“

Noch mehr zu lesen:

Und natürlich die Webseite vom Bündnis Dresden Nazifrei!

Demonstration gegen sächsische Verhältnisse und jeden Versuch eines Naziaufmarsches

Ab 11 Uhr. Dresden, Hauptbahnhof, Auftaktkundgebung und Demonstration durch die Innenstadt zum Haus der Begegnung, Großenhainer Straße 93

Das Bündnis „Nazifrei! Dresden stellt sich quer“ hat die Kundgebung und Demonstration angemeldet!

Kommt nach Dresden und zeigt euch solidarisch!
Der Konsens unserer Aktionen und die Solidarität ist unsere stärkste Waffe gegen das wachsende autokratische Demokratieverständnis hier in Sachsen!

Gegen die Nazis wollen wir den Sack zu machen. Deswegen werden tausende Menschen bundesweit gemeinsam mit Dresdnerinnen und Dresdnern jeden Versuch eines Naziaufmarsches im Stadtgebiet blockieren, sollte dieser unternommen werden. Wir sind flexibel und bereit. Kein Nazi wird am 18. Februar in Dresden marschieren.

Kein Fußbreit den Faschisten!

13. Februar 2012 in Dresden – Nazis eine Abfuhr erteilt!

Es war ein langer Tag. Und in der Konsequenz auch ein erfolgreicher. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Die Nazis konnten zwar laufen, aber nur eine stark verkürzte Route. Und das hat sie richtig geärgert. Man kann sagen, ihre Route war so kurz, das sich der Kopf schon wieder in den Schwanz gebissen hat.

Aber von Anfang an.

13 Uhr startete am Comeniusplatz der „Mahngang Täterspuren“. Diese war im letzten Jahr unverständlicherweise verboten worden, diesmal fand er statt. Es ging darum, an Hand 11 innerstädtischer Punkte aufzuzeigen, dass Dresden nicht die Opferstadt war, als die sie immer noch romantisiert war, sondern das es in Dresden nicht wenige Täter, Mitläufer und Wegschauer gab.


An diesem Mahngang nahmen über 2000 Menschen teil! Besucht wurden unter anderem die Mutschman-Villa (Mutschmann war Ministerpräsident, Partei-Gauleiter und Reichstatthalter), der Standort der ehemaligen Gefangenenanstalt Mathildenstraße, selbstverständlich die Synagoge, das Polizeipräsidium und der ehemalige Sitz der Gestapo, Bayrische Straße. (Mehr dazu auf www.dresden-nazifrei.com, die Seite ist aber wegen eines vermutlichen Angriffs derzeit offline) An den verschiedenen Punkten sprachen Dresdner Künstler und bekannte Persönlichkeiten Texte zu dem jeweiligen Thema.


Am Polizeipräsidium spaltete sich der Mahngang auf. Während der größere Teil weiter Richtung Hygienemuseum lief, bewegten sich ca. 500 Jugendlicher Richtung Postplatz und Freiberger Straße. Die Polizei war das erste Mal sichtlich überfordert. Ziel war die Kreuzung Freiberger Straße / Ammonstraße am Word Trade Center, die blitzschnell besetzt wurde. Die Blockade blieb auch bis zum Ende der Naziaktivitäten bestehen! Ein großartiger Erfolg.


Zu dem Zeitpunkt hatte ich Zweifel, ob das reichen wird. Schließlich könnten die Nazis ja noch über die Rosenstraße zur Freiberger Straße gelangen. Die Nazis hatten ihren Sammelpunkt unter der Brücke Budapester Straße. Gegen 17 Uhr war aber noch niemand zu sehen. Das Areal am Hauptbahnhof war massiv durch die Polizei abgesperrt. Überhaupt ging an diesem Tag verkehrstechnisch in der Innenstadt recht wenig. Schon der Mahngang Täterspuren hatte an der Synagoge den Platz weiträumig blockiert. Aber da mussten die braven Dresdner Bürger mal durch. Sie konnten ja gleich dableiben.


Vielleicht war das aber auch der Grund, warum in diesem Jahr weniger Menschen an der Menschenkette teilnahmen als im letzten Jahr, wie die Sächsische Zeitung Online schreibt. Aber die Menschenkette war sowieso ein Witz. Ich sage es immer wieder, ich kann es verstehen, dass nicht jeder den Mut hat, sich offensiv an Blockaden zu beteiligen. Ich finde es auch in Ordnung, wenn sie wenigsten ein Zeichen setzen, indem sie sich an der Menschenkette beteiligen. Aber von „sich den Nazis entgegenstellen“, wie im Aufruf zu lesen war, konnte wirklich keine Rede sein. Die Nazis befanden sich alle in der Nähe des Hauptbahnhofs und die Menschenkette am Rathaus war davon 600 bis über tausend Meter entfernt. Aufgehalten wurde dadurch nicht ein einziger Nazis, das waren wieder die unzähligen Antifaschisten, die länger als 10 Minuten (So zwischen Einkaufen und McDonalds) auf der Straße standen und saßen. Immerhin schafft die SZ das in einem Satz nebenbei zu erwähnen: „2010 und 2011 hatten Tausende Gegendemonstranten Neonazi-Märsche verhindert.“


Die Blockade Freiberger Straße / Ammonstraße sollte aber nicht die einzige bleiben. Inzwischen hatten sich auch hunderte oder tausend Menschen auf dem Sternplatz eingefunden und in Seitenstraßen sah man auch kleinere Gruppen. Das Ergebnis war, dass die Nazis nur eine sehr kurze Route latschen konnten, eine Zwischenkundgebung fiel komplett aus. Das stank denen gewaltig. An der Kreuzung Güterbahnhofstraße / Ammonstraße riss der widerliche Aufmarsch der Nazis plötzlich ab und ein Teil blieb über eine halbe Stunde stehen. Belustigt konnte man sich dann anschauen, wie sich die Nazis gegenseitig anschrien und die Ordner drohten, einzelne von denen aus ihrer Demo rauszuwerfen. Na hätten sie mal… Lange Zeit war unklar, was los ist, bis mir ein Kollege erklärte: „Die sind bockig, weil ihre Route so verkürzt wurde.“

Na das war doch mal was!


Letztlich zogen die Nazis wieder alle ab, von der Polizei begleitet, und gegen 21 Uhr konnten die Antifaschisten zufrieden nach Hause gehen. Am Postplatz gab es noch eine kleine Abschlusskundgebung. Passend war dort schön laut „Ten German Bombers“ von Egotronic zu hören.

Das Fazit von Dresden Nazifrei, zu lesen bei Facebook:

Unser Fazit: 6000-8000 BlockiererInnen machen Trauermarsch zur Lachnummer, 2500 protestieren mit Täterspuren gegen den Opfermythos Dresden. Für uns ist der 13. Februar 2012 ein voller Erfolg. Unser Ziviler Ungehorsam ist legitim und wir sehen uns nächste Woche Samstag wieder in Dresden!

Ausdrücklich möchte sich das Mod-Team bei allen HelferInnen im und um das Bündnis herum bedanken, die in den letzten Wochen alles dafür getan haben, dass der Naziaufmarsch in Dresden ein Stück mehr Geschichte wird. Ihr ward und seid die Besten!


Am Samstag den 18. Februar wird es nach aktuellem Kenntnisstand keine Nazidemo geben. Das haben sie wohl schon aufgegeben. Bleibt es dabei, seid ihr trotzdem alle in Dresden zu einer großen antifaschistischen Demonstration ab 11 Uhr am Hauptbahnhof eingeladen. Es gibt noch genügend, gegen das man protestieren muss. Die Kriminalisierung der Antifaschisten hat nicht aufgehört.

No pasaran!

Zentralrat der Juden ruft zur Blockade von Neonazis auf

Quelle: ad-hoc-news.de

Von den abseits der Blockaden geplanten Gegendemonstrationen hält der Spitzenfunktionär des Zentralrats der Juden nicht viel. ‚Wir brauchen keine Alibi-Großveranstaltung, wo wir uns gegenseitig versichern, dass wir für Toleranz, Freiheit und Demokratie sind‘, sagte Kramer. Die Erfahrung der vergangenen beiden Jahre habe gezeigt, dass die Aufmärsche nur mit Blockaden verhindert werden könnten. ‚Rechtsextremismus erledigt sich nicht durch Weggucken oder Schweigen‘, fügte Kramer hinzu.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dresden Nazifrei: Mobi-Clip 2012

Auf gehts!

www.dresden-nazifrei.com

Und gleich noch ein Bilderrätsel. Was stimmt wohl an diesem Foto der Berliner NPD nicht?

Laut Aussage von Dresden Nazifrei ist dieses Foto kein Fake. Den NPD-Fritzen wurde in einer Pause das Plakat an den Tisch gehangen und die haben es echt nicht mitgekriegt.

Und hier noch ein Interview mit Dresden Nazifrei zum aktuellen Mobilisierungsstand.

Skandal! Linke Zecken veralbern Antifaschisten von der CDU

In Dresden sind zwei Aufkleber aufgetaucht, in denen die Menschenkette gegen den Naziaufmarsch im Februar kritisch hinterfragt wird. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass nicht jeder den Mut aufbringt, sich aktiv gegen Nazis zu stellen, der/die mit der Menschenkette wenigstens ein Zeichen setzt. Aber realistisch betrachtet bewirkt diese Menschenkette genauso wenig wie eine Lichterkette gegen brennende Asylantenheime. Nämlich genau nichts.

Nun kann man das auf verschiedene Arten kritisieren, die unbekannten Ersteller dieser Aufkleber sprechen damit halt schon ziemlich klare Worte.

Laut einem Bericht der Dresdner Neuste Nachrichten plant die Stadt jetzt eine Urheberrechtsklage gegen die Verursacher der Aufkleber. Ob man bei den Entscheidungsträgern der Stadt Dresden wohl schon mal was von dem Streisand-Effekt gehört hat?

Und das sind die beiden Aufkleber:

MOBI VIDEO DRESDEN NAZIFREI 2012

SZ: „Keine Gnade für „Rambo-Einsatz“ der Polizei“

Sächsische Zeitung:

Dresden. Die rabiate Polizeirazzia gegen vermeintliche Linksextreme nach den Neonazi-Aufmärschen am 19. Februar in Dresden war auf ganzer Linie rechtswidrig. Nachdem Dresdner Amtsrichter bereits die Durchsuchung eines Anwaltsbüros sowie eines Parteibüros der Linken und die erkennungsdienstliche Behandlung zweier Mitarbeiter als rechtswidrig einstuften, gab es dieses Urteil (AZ: 270 Gs 3762/11) nun auch für die Durchsuchung einer Privatwohnung in dem Gebäude. (…)

Die Polizei wurde also abgewatscht, aber ihr Ziel hat sie erreicht. Einschüchterung, Sammeln von Daten, Kriminalisierung von Widerstand im Meinungsbild der Bevölkerung, etc.

Der gemeine BILD-Leser kapiert das jetzt eh nicht. Wenn er es überhaupt mitbekommt…