Archiv für die Kategorie ‘Medienkritik’

Sippenhaft

Mir ist Verona eigentlich schnurzpiepegal, aber bei der Schlagzeile fällt mir nur das Wort „Sippenhaft“ ein.

Reporter ohne Grenzen

Medienjournalist Stefan Niggemeier, bekannt durch das hervorragende BILDblog, stellt kommentarlos ein Bild der Reporter ohne Grenzen in sein Blog.

reporter-ohne-grenzen.gif

Ein Zeitpunkt, auch mal kritischen Stimmen über die Reporter mit Grenzen Gehör zu verschaffen.

Redblog: Onlinedemo in wessen Sinne?

Die Organisation steht jedoch unter massiver Kritik, die im Mainstream konsequent verschwiegen wird. Dabei geht es unter anderem um die Finanzierung der ROG. Der Haushalt der Organisation betrug 2006 4 Millionen US-Dollar. Davon stammen 57 % aus dem Verkauf eigener Publikationen, 24 % von Institutionen, Unternehmen und Stiftungen. Zu diesen Geldgebern zählen neben dem National Endowment for Democracy (NED) auch das Center for a Free Cuba (CFC). Offiziell gelten beide Organisationen als Nichtregierungsorganisationen, jedoch nur auf den ersten Blick. Das NED wurde erstmals 1982 unter Präsident Reagan gefördert und soll „die Demokratie fördern“. Einen Großteil des Geldes wird vom US-Außenministerium gegeben, somit ist auch wenig verwunderlich, daß das NED ein zentrales Instrument US-amerikanischer Außenpolitik ist. Das Center for a Free Cuba agiert ebenfalls offiziell als Non-Profit-Organisation und setzt sich für die Menschenrechte und einen „demokratischen Wandel“ in Kuba ein. Leiter des CFC ist der in Kuba geborene Frank Calzón, ein einschlägig bekannter CIA-Agent und ehemaliger Söldner der paramilitärischen Gruppe Alpha66, die in den 60er und 70er Jahren zahlreiche Anschläge in Kuba vornahm. Auch Otto Juan Reich gehört zum Umfeld des CFC, in den 80er Jahren spielte Reich eine zentrale Rolle in der aggressiven US-Politik gegen das sandinistische Nicaragua.

Junge Welt: Mission Desinformation (Leider nur mit Abo lesebar)

Die Menschenrechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ sorgt sich um die Pressefreiheit in Venezuela und Kuba. Aus den USA wird sie finanziell versorgt.

Und noch ein Ausschnitt aus Wiklipedia:

Ein von Reporter ohne Grenzen verfasster Bericht zu der Nichtverlängerung der terrestrischen Sendelizenz des Privatsenders RCTV seitens der venezolanischen Telekommunikationsbehörde CONATEL stieß wegen seiner Polemik, Unfairness und Parteinahme für den Medienkonzern auf heftige Kritik. In einer Analyse des Berichts im Fernsehsender teleSUR unter dem Titel „La consolidación de una mentira mediática a través de 39 embustes“ (deutsch: „Die Verankerung einer Medienlüge durch 39 Schwindeleien“) wurde dem Bericht in 39 Punkten unlautere Berichterstattung vorgeworfen.

Spiegel Online über Kommunisten

Ost-Realos wollen wirre Westler zähmen

So überschreibt der Spiegel einen Artikel über den Einzug der Linkspartei in zwei westdeutsche Parlamente. Zusammenfassen kann man das so:

Marxisten, Kommunisten, Sektierer – die Linke bringt in Hessen und Niedersachsen Kandidaten in die Landtage, die sich eher durch orthodoxe Rhetorik denn durch politischen Pragmatismus auszeichnen. …SED-Nachfolgepartei … West-PDS Spontis, Sektierer, Kommunisten, Marxisten und radikale Autonome … renitenten Truppe … „Durchgeknallte Mensastudenten“ … SED-Mitglieder, herausgefallen aus dem kaputten System DDR, … dogmatischen West-Genossen, die irgendwie auf Weltrevolution machten … „Splittergruppen“ und „linke Sektierer“ … In beiden Parlamenten werden künftig auch Kommunisten oder Abgeordnete mit tiefroter Vergangenheit die Linke vertreten … Die DKP feiert ihre Abgeordnete bei der Linken … „Erste Kommunistin im Landtag“ … „Wir sind Realos geworden“, sagt er heute; vor zwei Jahren noch hatte er in der Linkspostille „Ossietzky“ geschrieben, dass „die DDR 40 Jahre lang der friedlichere und sozial gerechtere Teil Deutschlands war“. … Orthodox-fundamentalistische Strömungen … Diether Dehm, prominentester Kopf der Linken im Norden mit fragwürdiger Vergangenheit. Die Stasi führte den ehemaligen SPD-Mann als „IM Dieter“ und „IM Willy“ … „Stasi-Methoden vor“ … Linksparlamentarier mit marxistisch-kommunistischen Verbindungen … Selbstzerstörungspotential … bunt zusammengewürfelten Linksfraktionen mit kommunistischen Einsprengseln … paar Anhänger des Kommunismus

Bringt es nun wirklich etwas, wenn die Linkspartei einschl. einer DKP-Genossin in einen Landtag zieht? Hier diskutieren wir darüber.

Siehe auch: Junge Welt „Ich verstecke nicht, daß ich Kommunistin bin“

Auch interessant, dieser Artikel aus dem BILDblog: „Bild“ macht sich die Linkspartei gefährlich

Wer im Glashaus sitzt…

Die WELT ONLINE hat einen Artikel unter dem Titel „Die rhetorischen Tricks eines Populisten“ veröffentlicht.

Ich zitiere erstmal die Einleitung:

Oskar Lafontaine ist bekannt für seine Rhetorik. Dabei ist vor allem seine Argumentationstechnik eine Analyse wert. Denn der Chef der Linkspartei reißt Zitate mutwillig aus dem Zusammenhang, um prominente Kronzeugen zu erschaffen.

Lies man den Artikel ganz, bemerkt man ganz schnell, das die WELT hier Lafontaine genau die Tricks vorwirft, die sie selber benutzt.

im Folgenden werde ich auch einige Stellen aus dem Artikel zitieren:

So schreibt die WELT:

Er [Lafontaine] verklärte die beiden zu Freiheitshelden und berief Chávez, der gerade einem kritischen Fernsehsender die Lizenz abgedreht hatte, zum Verteidiger der Pressefreiheit.

Richtig ist, das dem Privatsender RCTV die Lizenz für terrestisches Senden nicht verlängert wurde. Weiterhin wird aber über Kabel und Satellit gesendet. (Siehe auch Redblog)

Weiter bei WELT ONLINE:

Dann folgte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine Generalabrechnung mit dem Kapitalismus, der die Reichen angeblich immer reicher und die Armen immer ärmer und unfreier mache.

Dazu vielleicht nur zwei Dinge:
Ein Zitat aus der Wirtschaftswoche („31.000 neue Millionäre in Deutschland“), der man sicher keinen Antikapitalismus unterstellen braucht: „Insgesamt vermehrten die reichsten Privatpersonen der Welt ihr Finanzvermögen im vergangenen Jahr dank der global guten Wirtschaftslage um 11,4 Prozent auf 37,2 Billionen US-Dollar.“
Und ein Zitat aus der Tagesschau („Reallöhne in Deutschland sinken“): „Die Reallöhne in Deutschland werden 2006 vermutlich das dritte Jahr in Folge sinken.“

Was also hat WELT ONLINE an der Aussage Lafontaines auszusetzen, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden? Was ist daran „angelblich“?

Auf der Internetseite der Uni Weimar befindet sich ein Artikel („Armut und Gesundheit/Krankheit in Deutschland“), in dem man nachlesen kann: „Aufgrund unterschiedlichster Faktoren haben wir es mit einer veränderten gesellschaftlichen Situation zu tun. Ein Merkmal dieser Veränderungen ist eine deutliche Zunahme der Armut in Deutschland. Bundesgesundheitsministerin Fischer stellt fest: Armut ist leider kein Randproblem. Armut ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Daran ändert es nichts, daß sie oft verschwiegen oder verdrängt wird. Armut ist zu einem Lebensrisiko geworden, das inzwischen bis in die Mitte unserer Gesellschaft reicht. 1998 sind in Deutschland ca. 2,7 Mio. Menschen von Sozialhilfe abhängig, davon über 1 Mio. Kinder. Darüber hinaus leben ca. 2 Mio. Menschen, insbesondere Haushalte mit Kindern in den neuen Bundesländern, in verdeckter Armut, d.h. sie machen ihre berechtigten Ansprüche auf Sozialhilfe nicht geltend. Der Trend hat sich in den letzten Jahren von der Altersarmut zur Kinderarmut verlagert. Die stärksten Zunahmen sind bei den Kindern unter 7 Jahren zu verzeichnen. 1997 waren ca. 12 % der unter 7jährigen Kinder von Sozialhilfe abhängig (-so wächst in Westdeutschland jedes 8., und in Ostdeutschland jedes 5 Kind in Haushalten auf, die von Armut betroffen sind). Es wird deshalb von einer Infantilisierung oder Familialisierung von Armut gesprochen.“

WELT ONLINE schreibt:

Hier legte Lafontaine seine alte Platte auf: Generalstreiks soll es geben, obwohl sie verboten sind. Netzgebundene Industrien wie Energie, Gas, Wasser und Strom will er verstaatlichen und Privatisierungen rückgängig machen. Der Staat soll wieder mehr regulieren. Lauter Rezepte, die Wirtschaftswachstum verhindern, Arbeitsplätze vernichten und den Wohlstand verringern. Obwohl Lafontaines Texte von gefährlichen Ideen nur so strotzten…

Was diese Vorschläge jedoch so gefährlich macht, warum sie angeblich Wirtschaftswachstum verhindern, Arbeitsplätze vernichten und Wohlstand verringern (Was jedoch zur Zeit passiert, siehe oben), das schreibt WELT ONLINE nicht. Wie populistisch jedoch diese Zeitung schreibt, sieht man an Sätzen wie:

Wenn es ernst wurde, ist Lafontaine bislang immer weggelaufen

WELT wift Lafontaine vor, ein Zitat von der deutsch-venezolanische Historikerin Dorothea Melcher zu verfälschen, indem er nach deren Aussage „Die privaten Kanäle haben zum Teil sehr üble Hetzkampagnen gegen Chávez geführt. Ich glaube, das könnte sich hier niemand leisten.“ den Satz „Trotzdem ist die Abschaltung von Radio Caracas Televisión das falsche Signal in einem Land, dessen demokratische Institutionen seit Langem ausgehöhlt sind und wo sich die Einschränkungen der Pressefreiheit auf vielen Ebenen mehren.“ weglässt.

Warum aber soll Lafontaine den Satz auch noch zitieren, wenn er offensichtlich falsch ist? Wenn Frau Melcher offensichtlich Tatsachen einfach weglässt, nämlich das RCTV nicht abgeschaltet wurde?

Da passt die Zwischenüberschrift der WELT doch gut:

Wichtig ist, was Lafontaine weglässt

Das kann man sich dann vielleicht mal ans eigene Knie nageln.

Die WELT wirft Lafontaine vor, den Papst Johannes Paul II. zu mißbrauchen, indem er kritische Worte des Selbigen zu dem Satz „Die menschlichen Defizite dieses Wirtschaftssystems, das die Herrschaft der Dinge über die Menschen festigt, heißen Ausgrenzung, Ausbeutung und Entfremdung.“ zusammenfasst. Lafontaine hat hier mehrere Aussagen des Papst in der Enzyklika „Centesimus annus“ von 1991 zusammengeführt. Mit diesen Aussagen hatte der damalige Papst vollkommen Recht. Das er gleichzeitig auch noch sozialismuskritische Aussagen machte, die Lafontaine natürlich nicht erwähnte, macht die ersteren Aussagen nicht falsch.

Insofern kann man den letzten Absatz von WELT ONLINE durchaus zitieren:

Mehr als ein Dutzend Zitate führt Lafontaine an, bei fast allen arbeitet er nach dem gleichen Muster: verdrehen, verbiegen, verschweigen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Man braucht Stunden, um seinem Schwindel auf die Schliche zu kommen. Wer nicht achtsam ist, wird betrogen. Was Oskar Lafontaine betreibt, ist keine normale Rhetorik mehr. Es ist Demagogie.

Man sollte aber das Wort „Lafontaine“ durch „WELT ONLINE“ ersetzen, dann passt das mindestens genauso gut.

Sportliche Fairness von BILD

Wenn man BILD-Leser fragt, warum sie sich dieses Blatt antun, hört man häufig das Argument: „Wegen dem Sportteil.“

Wie fair BILD ist, wenn ein ausländischer Sportler stärker als ein deutscher Sportler ist, dass zeigt sie mit diesem Titel auf der Webseite.

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„Däne Rasmussen klaut unserem Tourhelden die Führung.“

Soso, Rasmussen hat also Gerdemann die Führung geklaut.

Der Duden schreibt über „klauen“:

klauen (ugs. für stehlen)
stehlen:
1. fremdes Eigentum, etw., was einem nicht gehört, heimlich, unbemerkt an sich nehmen, in seinen Besitz bringen …
(© Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 5. Aufl. Mannheim 2003 [CD-ROM].)

Ohne Frage, die Leistung von Linus Gerdemann während der 7. Etappe der Tour de France war eine herausragende Leistung. Mit diesem Ritt hat er vollkommen zu Recht die Herzen vieler Fans erobert.
Die Leistung von Michael Rasmussen während der 8. Etappe war aber genauso beachtenswert. Doch davon zu sprechen, er hätte Gerdemann die Führung geklaut, als ob er nach seiner sportlichen Leistung keinen Anspruch auf das Gelbe Trikot hätte, ist ziemlich perfide und unfair.

„Macocha Europy“ – Die bösen Polen beleidigen unsere tolle Kanzlerin!

BILD titelt heute: „Polnisches Magazin beleidigt Kanzlerin Merkel“

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Bildquelle: bild.t-online.de

Wenn man aber ein bisschen auf bild.de stöbert, was findet man da?

Hier noch ein Artikel bei bildblog.de, der sehr lesenswert ist: Mit „Bild“-Methoden gegen undankbare Polen

[Update]: Wie mir meine polnische Freundin eben erklärte, bedeutet „Macocha Europy“ übersetzt „Stiefmutter Europas“. Na wenn das mal keine schöne Bezeichnung für Angie ist. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

„Die rote Verschwörung“

Seit Jahren habe ich das Buch „Aurora“ von Robert Harris1 hier rumliegen. Bis heute habe ich es nicht geschafft, das zu lesen. Inzwischen gibt es das auch als Verfilmung mit dem Titel „Die rote Verschwörung“.

Der Inhalt klang ja Anfangs ganz interessant. Ein US-amerikanischer Historiker („Stalin-Experte“) erfährt von einem geheimen Tagebuch von J.W. Stalin. Über verschiedene Wege findet er das Buch schließlich, doch es stellt sich als Tagebuch einer jungen Komsomolzin heraus, welche von Stalin geschwängert wurde. Daraus entstand ein Sohn, der viele, viele Jahre in der tiefen russischen Wildnis lebte um in der heutigen Zeit als Stalins Nachfolger das alte Reich wieder aufleben zu lassen. Bla, bla, bla… Ende gut, alles gut, der Sohnemann wird erschossen und die Welt ist gerettet.

Ok, inhaltlich dann doch ziemlich flach. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit sich die Verfilmung das das Buch von Harris hält, aber mehr als ein billiger brownscher „Sakrileg“-Verschnitt ist dabei nicht rausgekommen. Nur kälter und elender. immerhin kann man dem Film aber zu gute halten, dass er die Kontraste zwischen Reichtum und Elend in dem heute „demokratischen und befreiten“ Rußland zeigt. Was aus dem Land geworden ist, schildert ein alter Kommunist im Film sehr treffend: „Stalin hat eine Nation geerbt mit hölzernen Flügeln und hat uns eine Weltmacht hinterlassen mit atomaren Waffen. Die Männer, die nach ihm kamen machten es zunichte. Er hat es kommen sehen. Er sagte es voraus: ‚Nach meinem Tod werden die Kapitalisten euch alle ertränken wie blinde Katzenbabys.'“2

Aber um im Film nochmal an den Anfang zu springen: Da hält der Historiker, dargestellt von D. Craig, eine Rede auf einem Kongress. „Stalin kannte vor allem eines: Gewalt. Während seiner Herrschaft verloren 20 Millionen Menschen ihr Leben, 6 Millionen wurden ins Exil geschickt, 18 Millionen in Gulags abtransportiert. Stalin verbrachte seine Abende gerne im Bolschoitheater oder lies sich ironischerweise amerikanische Western im hauseigenen Kinosaal vorführen. In den späteren Jahren hatte er vor dem Zubettgehen gerne Todesurteile unterzeichnet für bis zu 6000 Menschen. Und selbst dann, selbst dann schrieb er an den Seitenrand ‚Nicht genug!‘. Man kann behaupten dass in den Jahren des Terrors Stalin der oberste Hexenjäger war. Er sagte ‚Die Auswahl der Opfer, die Vorbereitung der Pläne war minutiös. Den Durst nach unerbittlicher Rache zu stillen und dann zu Bett zu gehen, sei das Erquickenste auf dieser Welt.'“ Parallel dazu wird gezeigt, wie Berija den todkranken Stalin findet. (Und umbringt oder umbringen lässt.) Ja gehts noch primitiver? Wohl kaum.

Ach ja: Der Film lief im ZDF.

  1. Von Robert Harris stammt auch das Buch „Vaterland“, welches es ebenfalls als Verfilmung gibt. Beides kann ich wärmstens empfehlen. []
  2. Das Zitat mit den Katzenbabys konnte ich bisher außer in der Geheimrede von Chruschtschow nicht verifizieren. Dort lautet es: „Blind seid ihr wie junge Katzen, was wird nur ohne mich – das Land wird untergehen, wenn ihr es nicht versteht, die Feinde auszumachen.“ Die Glaubwürdigkeit von Chruschtschow darf aber bezweifelt werden. []