Archiv für die Kategorie ‘Bildung’

Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (11)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

11. Frage: Sind Streikkämpfe während der Krise möglich? Welche Kampf- und Einheitsorgane schlägt die KPD vor? War die Streiktaktik der KPD und RGO bisher richtig?

Ich frage euch: Gab es Krisen vor dem Kriege oder nicht? Waren Streiks vor dem Kriege erlaubt oder nicht? Warum sind sie heute nicht mehr erlaubt, warum versucht die Sozialdemokratie heute Streiks zu verbieten? Vor dem Kriege war die SPD keine Koalitionspartei, obwohl sie sich zu einer solchen bereits begann zu entwickeln.

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (10)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

10. Frage: Wie steht die KPD zum sogenannten ADGB-„Rettungsprogramm“ und zur ADGB-Losung des „Umbaues der Wirtschaft“? Gehen die Losungen des ADGB nicht viel weiter als die Arbeitsbeschaffungsforderungen der KPD? Was halten die Kommunisten vom Arbeitsbeschaffungsprogramm des ADGB?

Das sogenannte ADGB-„Rettungsprogramm“ mit seiner Forderung nach „Umbau der Wirtschaft“, mit seinem „Umbau der jetzigen planlosen Wirtschaft in eine planvolle Gemeinwirtschaft“ durch „Konjunkturpolitik“, durch „Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und der Banken“, durch Schaffung eines „staatlichen Kartell- und Monopolamtes“ und durch das „Hand-in-Hand-Gehen“ mit der „Demokratisierung der Wirtschaft“, an der „berufene Vertreter der Arbeitnehmer“ beteiligt sein sollen – dieses Programm ist wiederum zunächst ein raffinierter Wahlschlager der SPD für die Reichstagswahlen am 31. Juli:

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (9)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

9. Frage: Haben die Kommunisten im Kampfe gegen Versailles und den Youngplan Zugeständnisse an den Nationalsozialismus gemacht? Können Internationalisten ein nationales und soziales Freiheitsprogramm aufstellen, wie es die Kommunisten aufgestellt haben?

Zunächst ein Wort zum Nationalsozialismus. Es gibt keinen „nationalen Sozialismus“. Es gibt nur einen internationalen Sozialismus. Die SPD, die viel vom Sozialismus spricht, steht immer mit der eigenen Bourgeoisie in einer einheitlichen nationalen Front. Siehe das MacDonaldsche Konzentrationskabinett, siehe Paul Boncour als Kriegsminister in Frankreich und als bisherigen Exponenten der II. Internationale. Wer hat die Schanddokumente von Versailles unterschrieben? Es waren Hermann Müller und Vandervelde, der bekannte belgische Königssozialist.

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (8)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

8. Frage: Stimmt die kommunistische Behauptung, wonach in Preußen die SPD dem Faschismus Hilfsstellung leistete? Warum bekämpft die KPD die Politik des sogenannten „kleineren Übels“?

Wir registrieren nur ein paar Tatsachen, um den ersten Teil dieser Frage zu beantworten: Der sozialdemokratische Innenminister Preußens, Herr Severing, der die Befugnis hatte, die Aufmärsche der Nazis in Preußen zu verbieten, gibt ihnen die Straße frei. SPD-Grzesinski gestattete den Nazistudenten am 28. Juni in Berlin eine chauvinistische „Anti-Versailles-Kundgebung“, während er kommunistische Demonstrationen untersagte. Staatssekretär Weismann, der Vertreter der sozialdemokratisch-zentrümlichen Preußenregierung, erklärte im Reichsrat nach der Rede von Gayls:

„Sie wissen, daß Sie in diesem Kreise weitgehende Sympathien genossen haben und weiter genießen.“

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (7)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

7. Frage: Was sagt die KPD zur SPD-Losung der „zweiten Republik“ und der „Restauration des Weimarer Systems“?

Ich stelle die Frage: Wie stand die Sozialdemokratie denn zur jetzigen Republik, die den Arbeitern Erwerbslosigkeit, Hunger und Elend brachte? War es nicht die Republik der Sozialdemokratie? Diese Republik der SPD hat zur Diktatur Papens geführt, in der die unmittelbare Aufrichtung der faschistischen Diktatur durch die Bourgeoisie mit größtmöglicher Toleranz der SPD auf die Tagesordnung gestellt ist.

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (6)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

6. Frage: Bedeutet das Einheitsfrontangebot der KPD an alle Organisationen, die gewillt sind, gegen Lohnraub und Faschismus zu kämpfen, eine Änderung der Politik der Kommunisten? Wie schaffen wir die Einheitsfront der Arbeiter und Angestellten im Kampf gegen Lohn-, Unterstützungs-, Gehalts-, Rentenabbau?

Das Einheitsfrontangebot der KPD an alle kampfgewillten Arbeiterorganisationen bedeutet keineswegs eine Änderung der Politik der KPD. Das einflußlose SAP-Grüppchen, der Wurmfortsatz der SPD, möchte durch ihre diesbezüglichen Behauptungen ihr ramponiertes Ansehen wieder ein wenig auffrischen und Verwirrung unter den Arbeitern schaffen. Die Einheitsfrontpolitik gehört zum allerwichtigsten Bestandteil der Strategie und Taktik der Kommunisten, zur Schaffung der einheitlichen Klassenfront gegen die Feinde der Arbeiterschaft. Wichtige innerparteiliche Kämpfe der KPD hatten die Schaffung einer klaren, wirklichen proletarischen Einheitsfront von unten zum Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. Die Ruth Fischer und Maslow, die Brandler und Thalheimer wurden von der KPD über Bord geworfen, weil sie durch ihre Praxis und Theorie entweder in sektiererischer Abgeschlossenheit oder durch prinzipienlosen Opportunismus sich von der Masse entfernten. Unsere Kommunistische Partei wäre nicht wert, kommunistisch oder marxistisch genannt zu werden, wenn sie es nicht verstünde, durch ihre Taktik und Strategie die Brücken zur Herstellung einer gemeinsamen Kampffront mit den SPD- und ADGB-Proleten zu bauen.

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (5)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

5. Frage: Hält die KPD beim Ziel der Schaffung der proletarischen Einheitsfront nicht auch Spitzenverhandlungen mit der SPD- und ADGB-Führung für angebracht? Wie steht sie zur Einstellung der „Beschimpfungen“ der SPD-Führung?

Ich will bei der letzteren Frage beginnen: Die SPD fordert von uns die Einstellung der Kritik an ihrer Politik! Wir sollen über die 14 Jahre, die hinter uns liegen, schweigen! Wir sollen schweigen darüber, daß der ADGB die 4 Millionen gewerkschaftlich organisierter Kollegen nicht in Bewegung setzt gegen die Papen-Regierung! Wir sollen schweigen, wenn SPD-Führer kommunistische Zeitungen verbieten, wenn SPD-Polizeipräsidenten revolutionäre Arbeiter erschießen lassen. Wir sollen mit der SPD-Führung also das heutige System der Bourgeois-Herrschaft verteidigen! Wir sollen ihnen dadurch praktisch helfen, als „Ärzte“ des verfaulenden Kapitalismus zu fungieren! So fordert es die SPD. Nur Agenten des Klassenfeindes und der Konterrevolution können solche Forderungen, die man so schön in die Worte: „Verzicht auf gegenseitige Beschimpfung“ kleidet, stellen. Herr SPD-Künstler erklärte seinerzeit: „Die Eiserne Front ist die proletarische Einheitsfront.“ – Wir Kommunisten, die wir mit den SPD-Führern jede Gemeinschaft ablehnen und auch die Künstlersche Demagogie anprangern, erklären immer wieder, daß wir mit den kampfgewillten sozialdemokratischen und Reichsbannergenossen und mit den unteren kampfgewillten Organisationen jederzeit bereit sind zum antifaschistischen Kampf.

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (4)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

4. Frage: Ist im Kampfe gegen die Papen-Regierung und gegen den Faschismus ein Bündnis der KPD mit der SPD möglich? Wie steht die KPD zu einer Listenverbindung bzw. zu einem Wahlblock mit der SPD bei der Reichstagswahl? Bringt der 31. Juli die Entscheidung?

In der Frage des 31. Juli sind sich Nazis, SPD, Zentrum und Deutschnationale einig. Zwar nicht in den Programmsätzen, aber in ihrer Phraseologie: „Der 31. Juli bringt die Entscheidung.“ Die „Wiener Arbeiterzeitung“ (SPÖ) schreibt vom 31. Juli sogar als von einer „Schicksalsstunde Deutschlands und der Schicksalsstunde Europas“. – Schon bei den letzten Präsidentschafts- und bei den Preußen-Wahlen schwindelte die Sozialdemokratie zum wiederholten Male: „Der Faschismus ist besiegt.“ Wir Kommunisten haben weder damals noch heute gesagt, daß die Frage des Faschismus eine Frage des Stimmzettels sei. Die Bolschewiki haben 1917 auch die Konstituente auseinandergehauen, als sie im Interesse der proletarischen Klasse, im Interesse des Kampfes für den Sozialismus das bürgerlich-„demokratische“ Parlament davonjagten. Die Papen-Hitler werden je nach ihrem außerparlamentarischen Kräfteverhältnis im Interesse des Kapitalismus entscheiden und sich bei nicht genügender revolutionärer Kampfentschlossenheit der Arbeiterklasse nicht genieren, selbst den neu gewählten Reichstag wieder auseinander zu jagen.

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (3)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

3. Frage: Meint die KPD die Einheitsfront ehrlich? Wie verteidigt die KPD die Freiheit der Arbeiterklasse gegen den Faschismus? Wie denkt sich die KPD die politische Linie und die Organisierung der Antifaschistischen Aktion?

Ist die Antifaschistische Aktion ein kommunistischer Parteiladen? – Können SPD-Arbeiter, Reichsbanner- und Gewerkschaftsmitglieder, die an der Antifaschistischen Aktion teilnehmen, Mitglieder der SPD bleiben? – Warum stellen die Kommunisten im antifaschistischen Kampf so eindringlich die Forderung nach Aufhebung des RFB-Verbots? – Sieht der Genosse Thälmann in dem Bestreben der SPD-Arbeiter, eine Einheitsfront zu bilden, den ersten Schritt zur Zerschlagung der SPD oder sieht er nur den rückhaltlosen Einheitswillen der Arbeiter, den Einfluß des Faschismus zu brechen?

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (2)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

2. Frage: Warum ist das Verbot der KPD und des Kommunistischen Jugendverbandes augenblicklich akut?

Nach dem deutsch-französischen Kriege von 1870/71 verschärfte die deutsche Bourgeoisie in aggressivster Form ihren imperialistischen und anexionistischen Kurs. Ein großer Raubzug an den deutschen Arbeitermassen, die Schutzzollpolitik und eine Kette reaktionärer Maßnahmen waren durchzuführen. Daher erfolgte die Terrorperiode des Sozialistengesetzes mit dem Verbot der alten Sozialdemokratie im Jahre 1878. Das Reichsvereinsgesetz vom Jahre 1908 war ein reaktionärer polizeidiktatorischer Anschlag gegen die arbeitende Jugend. In der Zeit von 1914 bis 1918 wurden Liebknecht, Rosa Luxemburg, Klara Zetkin und Franz Mehring in die Kerker geworfen, der Spartakusbund wurde verfolgt, weil er unter Karls und Rosas Führung die Kriegsverbrechen und die monarchistische Diktatur schonungslos bekämpfte.

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