Archiv für die Kategorie ‘Rassismus’

„Schwarz auf Weiß“ – Wallraff bei Dynamo Dresden

Folgender Text stammt vom DGB – Region Dresden-Oberes Elbtal

Filmvorführung und Diskussion mit Fanprojekt und DGB am Tag der Einheit

Als am 03. Oktober 2012 die Zuschauer und Podiumsteilnehmer in der Business-Lounge des „glücksgas-stadion“ der SG Dynamo Dresden zur Filmvorführung und Diskussion mit dem bekannten Journalisten und Enthüllungsautor Günter Wallraff Platz genommen haben, ist schon eine ganze Menge passiert. Ein Ost-West Gipfel der „anderen Art“ am Tag der Einheit. Wallraff hatte sich vor mehr als drei Jahren in dem Dokumentarstreifen „Schwarz auf Weiß“ „im speziellen“ auch mit Fans von Dynamo Dresden während eines Auswärtsspiels bei Energie Cottbus beschäftigt. Die Fans fühlten sich von Wallraff vorgeführt, zeigten doch die Bilder seines Films jede Menge betrunkene und rassistische Entgleisungen der vermeintlichen Dynamos. In dem 60 Minuten dauernden Film zeigen scheinbar teils belanglose Alltagszenen, unter welchen Umständen dunkelhäutige Mitbürger empfangen und herabwürdigend behandelt werden. Wohl gemerkt: In ganz Deutschland! Gezeigt werden in „Schwarz auf Weiß“ aber auch offene bedrohliche Angriffe, die z.B. nur durch das beherzte Eingreifen einer Polizistin entschärft werden konnten.

Der Film- und Buchautor hatte den Fans irgendwann im Zuge der gegenseitigen Kritik eine Diskussion versprochen, die nun im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tatort Stadion“ vom Fanprojekt Dresden und dem DGB Dresden in Kooperation ausgerichtet wurde. Gemeinsam mit dem Erich-Zeigner-Verein aus Leipzig wurde die am Feiertag sehr gut besuchte Veranstaltung schon dadurch ein Erfolg, dass man endlich miteinander und nicht übereinander diskutierte. Ganz wie im realen deutsch deutschen Zusammenleben, wo zu oft übereinander geredet wird. Zwei Tage nach seinem 70. Geburtstag machte Wallraff letztlich seinem Namen alle Ehre und feierte nicht im Münchner Festbierzelt, sondern setzte sich mit brennenden Themen unserer Zeit auseinander. Zum 50. hatte er mit Vietnamesen aus Rostock-Lichtenhagen gefeiert und seinen 60. verbrachte er in Afghanistan, in einer von ihm unterstützten Mädchenschule. Im Stadion des Fußballclubs Dynamo Dresden wurde zunächst verhalten, später jedoch sehr emotional diskutiert. Letztlich ging es um eine weitreichende Frage, mit der sich Viele im Land beschäftigten: Ob der Fußball ein besonders Problem mit Rassismus hat?

Aber zurück zum Gegenstand der Diskussion. Zum Film als Kunst, kann man ja durchaus unterschiedlicher Meinung sein. In jedem Fall: Der Dokumentarfilm geht allerdings wirklich dahin, wo es richtig weh tut! Wo einem das Lachen über den Normalbürger in Deutschland im Halse stecken bleibt. Da wird schier hoffnungslose Wohnungssuche gezeigt, die an der fremdenfeindlich eingestellten Vermieterin scheitert. Ungeschminkt und dümmlich formuliert sie es zusammenfassend in die Kamera: „Der ist ja so schwarz, wie Heidi Klump ihrer.“ Sie hat natürlich nicht vor, dem „Ali“ die Wohnung zu vermieten, „weil so einer ja nicht hierher passt.“ Basta! Oder da wird die niedliche Schrebergartengesellschaft im Berliner Stadtteil Marzahn vorgeführt, die wie im Mikrokosmos demonstriert, wie mitten unter uns Vorurteile transportiert werden. Wenn der auf dem Gartenfest mit tanzenden Kindern erschienene verkleidete „Schwarze“ Wallraff dann auch noch selbst ein Schreberhäuschen anmieten will, dann ist klar, dass die Kleingartensparte vor angeblicher Überfremdung geschützt werden muss. In Windeseile wird von Fröhlichkeit auf nackte Ausländerfeindlichkeit umgeschaltet. Da ist der mit „Roberto Blanco“ titulierte Fremde nicht mehr willkommen!

Und natürlich werden auch die angetrunkenen und vom Unentschieden des Fußballspiels gegen den Rivalen Cottbus genervten Fans gezeigt, die den „Schwarzen“, ob seiner puren Existenz im Schmerz des Punktverlustes als menschliche Provokation verstehen. Die den bis zu Unkenntlichkeit geschminkten Wallraff im besten Fall ungläubig anstarren, im schlechterem Fall aber offen attackieren. Nein, die im Film gezeigten Dynamo-Fans wollen ganz deutlich mit „Schwarzen“ nichts zutun haben. Sie wollen ihn weder im Bus mitnehmen oder im Fanzug auf der Rückreise „ertragen“. Im Gegenteil „der soll mal dahin gehen, wo er hingehört.“ Und damit meinen die nicht Dresden.

Die am Feiertagnachmittag nach der Filmvorführung stattfindende Diskussion, an der auch der Geschäftsführer von Dynamo Dresden Christian Müller und Grit Hanneforth vom Kulturbüro Sachsen auf dem Podium teilnehmen, entwickelt sich zu einer spannenden Debatte. Die Dynamo-Geschäftsführung kommt dabei trotz etlicher Aktivitäten und unbestreitbarer Erfolge bei der Bekämpfung von Rechtsextremismus im eigenen Stadion in erstaunlicher Weise aus der Defensive nicht heraus. Immer wieder fühlt sich der Geschäftsführer gemüßigt, sich zu verteidigen. Er verweist auf den neuen dunkelhäutigen Stürmerstar Poté, der aktuell die wichtigsten Tore schießt. Ein gelungenes Zeichen von Integration also. Oder die hervorragende Arbeit des Fanprojektes Dresden, welches mit großem Engagement mit den Fans unmittelbar zusammen arbeitet. Und ganz offensichtlich auch viel für ein weltoffenes Image des Vereins tut. Auch zahlreiche Wortmeldungen während der Diskussion von Fans der SG Dynamo selbst zeigen, dass man keinesfalls alle Fans von Dynamo über einen Kamm scheren sollte. Ein Verein mit über 14.000 Mitgliedern und vielleicht 25.000 Besuchern am Wochenende kann selbst redend keinesfalls „alles im Griff haben“. Das erwartet aber auch Keiner! Aber die Haltung der Klubführung selbst und des sozialen Umfeldes wird hinterfragt. Sinniger Weise wird von den eigenen Fans nachgefragt, warum szenetypische Kleidung wie Thor Steiner im Stadion nicht nur geduldet, sondern offensichtlich von Ordnern getragen wird.

Dynamo hat eigentlich keinen Grund, sich bei der Thematik der Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit zu verstecken. Als Sportverein, der medial massentauglich agiert, und in dem hohe Emotionen transportiert werden, stellt er schlichtweg ein „Spiegelbild“ der Gesellschaft wider. Und die ist, wie wir nicht erst seit den NSU-Enthüllungen wissen, alles andere als frei von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. So wird denn auch in der Diskussion deutlich, dass die gegenseitige Kritik der Fans von Dynamo Dresden an dem filmischen Werk von Günter Wallraff gewissermaßen ein „Missverständnis“ ist. So wird es vom Autor selbst formuliert. Während der Veranstaltungsrunde im Stadion wird keiner Fragestellung aus dem Weg gegangen. Klar wird auch: Wallraff will provozieren, auch um das Alltägliche deutlich zu machen.

Dass auch der Fußball ein besonderes Problem mit Rassismus im und um das Stadion hat, wird auch an diesem Nachmittag im Diskurs deutlich. Auch in der Ausstellung „Tatort Stadion“, dass sozusagen den Ball des Deutschen Fußballbundes (DFB) aufnimmt und sich der Rassismusproblematik stellt. Beim in Dresden sehr beliebten Fußballverein und in seinem Umfeld ist offensichtlich die Bereitschaft gewachsen, sich auch mit den weniger schönen Tatsachen des Sports zu beschäftigen. Die Diskussion am 03. Oktober 2012 war dabei kein Anfang, aber ein interessanter weiterer Meilenstein. Dass die Beschäftigung des Themas aus der Mitte des Fanprojektes heraus getragen wird, sollte die Experten positiv aufhorchen lassen. Ist Fußball doch eine der Hauptrekrutierungsfelder der rechtsradikalen Szene. Natürlich nicht nur in Dresden.

mehr und Bilder: www.dresden.dgb.de

Uri Avnery: “Ich habe einen einfachen Test für die Macht des Rassismus”

Jean-Paul Sartre sagte bekanntermaßen, dass jede Person ein Rassist sei – es gäbe nur den Unterschied zwischen denen, die es zugeben und versuchen, dagegen anzukämpfen und jenen, die das nicht tun.

Das stimmt zweifellos. Ich habe einen einfachen Test für die Macht des Rassismus: man fährt mit dem Wagen und jemand schneidet einem den Weg ab. Wenn es ein schwarzer Fahrer ist, sagt man: „Verdammter Nigger!“ wenn es eine Frau ist, schreit man: „Geh in deine Küche!“ Wenn er eine Kipa trägt, schreit man: „Blöder Dos“ („Dos“ ist ein abfälliger hebräischer Spitzname für religiöse Juden). Wenn es ein Fahrer ohne besondere Kennzeichen ist, schreit man nur „Idiot! Wer gab dir eine Fahrerlaubnis?“

aus “Die Dunkelheit vertreiben” von Uri Avnery

Muslime in der Öffentlichkeit

Beim Thema “Streit um den Moscheebau in Köln” verweist das Watchblog Islamophobie auf einen guten Artikel im Kölner Stadtanzeiger.

Den Schlußsatz finde auch ich bemerkenswert:
“Wer in die Hinterhöfe zurückgedrängt wird, wird kaum geneigt sein, sich in der Welt draußen zu integrieren.”

mkG

Was heißt das? Laut dem Artikel “Schwarze Sonne statt Hakenkreuz” Telepolis:

Frei fühlen sich Rechtsextremisten schon in E-Mails und ihren internen Foren. Untereinander grüßt man sich “mit kameradschaftlichem GruSS” oder der Abkürzung “mkG”.

Also bei mir heißt “mkG” immer noch “mit kommunistischen Grüßen”. Also bitte nicht erschrecken und Schlimmes von mit denken, wenn ich das mal schreibe. :)

Schwierig würde es auch für den VVN/BdA werden, indem man sich untereinander als “Kameraden” anspricht, was ich persönlich nicht so mag.

Ansonsten ist der Telepolis-Artikel, der sich mit den verschiedenen erlaubten und illegalen Erkennungsmerkmalen der rechtsextremen Szene beschäftigt, durchaus lesenswert.

Interview mit CSU-General Söder

Im Focus 8/2007 befindet sich ein Interview mit dem CSU-General, bei dem ich mal wieder das Grausen bekomme.

180px-sod.jpg
(Bildquelle: Wikipedia)

Ein paar Zitate:

“In der Union muss auch Platz für die demokratische Rechte sein – rechts von uns darf kein politisches Vakuum entstehen. oder wie es Franz Josef Strauß einst so treffend formulierte: Rechts von der Union darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben. Wir dürfen nicht vergessen, woher wir kommen.”

Hm… Die NPD, die DVU, die Republikaner, alles in der BRD bereits vor 1990 demokratisch legitimierte Parteien, die will Söder rechts überholen? Na das nenne ich doch mal ein Bekenntnis. Aber es geht weiter:

“Es darf auf keinen Fall einen Linksruck in der Union geben. Den links ist immer falsch.”

Ja, klar, “links ist immer falsch”. Schöner hätte Söder seine Gesinnung kaum ausdrücken können. Dies zeigt er dann auch in diesen Sätzen:

“Konservative Politik heißt auch ein klares Bekenntnis zur christlich-abendländischen Identität. Deswegen sind wir konsequent gegen den EU-beitritt der Türkei.”

Letzlich meint er noch:

“Und konservativ heißt schließlich: keine Gnade für RAF-Terroristen, die ihre Taten nicht bereuen.”

Um an dieser Stelle mal Udo Vetter vom lawblog.de zu zitieren: “Kommt das Gericht zum Ergebnis, dass der Verurteilte nicht mehr gefährlich ist, wird er auf Bewährung entlassen. Ob der Verurteilte Reue zeigt, spielt keine Rolle.”

Aber kann ja sein, das der Herr General Söder sich mit den Gesetzen nicht so gut auskennt. Mit denen hat es sein Vorbild F.J. Strauß bekanntlich auch nicht so ernst genommen.

Kundgebung anläßlich des Treffens der EU-Innenminister in Dresden

Heute fand in Dresden aus Anlaß des Treffens der EU-Innenminister in Dresden eine Demonstration statt.

Aus dem Aufruf:

Menschen, die sich aussuchen wollen, wo sie leben möchten, die unter den miserablen Lebensbediungen leiden, für die eine neoliberale Politik – für die die EU steht – verantwortlich ist, werden kriminalisiert. “Partnerschaftlicher Dialog mit Herkunftsländern” – so wird bei Abschiebungen eine Zusammenarbeit mit Staaten genannt, in denen Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind.

In Deutschland und in anderen Ländern der EU werden Menschen diskriminiert, die keinen Pass des Landes haben, in dem sie leben wollen. Millionen Menschen werden illegalisiert und ihnen werden elementare Menschenrechte verweigert, wie z.B. medizinische Versorgung oder Bildung. Menschen werden in Länder abgeschoben, in denen ihnen ein miserables Leben, Verfolgung oder gar der Angriff auf ihr Leben droht.

Die Europäische Union steht für grenzüberschreitenden Warenverkehr und freien Handel. Für Menschen soll diese Freiheit aber nicht gelten, wenn es nach der herrschenden Politik geht.

Die deutschen Innenminister haben erst kürzlich im Hickhack um ein Bleiberecht für Flüchtlinge in Deutschland bewiesen, für welche ausgrenzende und menschenverachtende Politik sie stehen.

Wir setzen dagegen: Menschen sollen frei wählen können, wo sie leben möchten. Menschen, die nicht den “richtigen” Pass haben dürfen nicht diskriminiert werden.

Bleiberecht für alle und überall. Für eine Autonomie der Migration!

An der Demonstration nahmen ca. 150 Menschen verschiedener Herkunft teil. Sie führte, mit großer Lautstärke, von der Frauenkirche an der Semperoper vorbei zum Kongresszentrum. Am Ziel wurde während der Abschlusskundgebung in einigen Redebeiträgen auf die Situation und Behandlung von Immigranten in Deutschland und Europa hingewiesen.

Demonstration gegen Ausgrenzung Demonstration gegen Ausgrenzung Demonstration gegen Ausgrenzung

Siehe auch: www.gegen-ausgrenzung.de

Der tägliche Rassismus

Zwei Vorfälle habe ich am Samstag erlebt.

Fall 1:

Ich war im Rewe in der Altmarktgallerie einkaufen und kam gerade aus der Kasse heraus, als ich zwei Vietnamesen am Packtisch bemerkte. Neben ihnen stand ein Typ, ca. 50 Jahre alt, versoffenes Aussehen, versoffene Stimme, und pöbelte die beiden an. Da fielen u.a. solche Sachen wie “Scheiß Ausländer” oder “Nicht mal einkaufen kann man als Deutscher in Ruhe”.

Ich positionierte mich mit meinen Zeug zum Einpacken daneben, als er die Frau als “Fotze” bezeichnete. Daraufhin habe ich ihn dann meine Meinung gesagt, das er solche Sprüche sein lassen kann, worauf er schnell abzog.

Fall 2:

Ein junges Mädchen, 17 Jahre, erzählte mir und einen Freund Abends, das sie jetzt in einer Gruppe gegen Rassismus aktiv ist. Wenige Minuten vorher mussten wir uns noch anhören, “…die Türken können sie alle in die Türkei zurück schicken, die machen mich immer an.”

Das waren nur zwei exemplarische Fälle über den alltäglichen Rassismus, den man heute immer wieder begegnet. Wenn dann CDU-Politiker von “Multikulti-Schwuchteln” spricht, oder ein Ministerpräsident von “ausländischen Sozialschmarotzern” dann zeigt das eher die tiefe Verwurzelung von fremdenfeindlichen und diskriminierenden Gedankengut in unsere Gesellschaft als von Ausnahmen.

Dresden bekommt Jorge-Gomondai-Platz

Am 6. April 1991 wurde der Mocambiquaner Jorge Gomondai von Neofaschisten in Dresden am Albertplatz aus einer fahrenden Straßenbahn gestossen. Heute erinnern ein Gedenkstein am nördlichen Ende der Hauptstraße an diese rassistische Tat.

Jorge Gomondai

Aus diesem Grund findet jedes Jahr eine Demonstration in Dresden zum Gedenken an Gomondai statt. Hier am 6. April 2006.

Jorge Gomondai

Jetzt wurde beschlossen, dass ein Teil der Hauptstraße zukünftig den Namen Jorge Gomondais tragen soll. Der genaue Termin für die Umbenennung steht noch nicht fest.

Bericht bei spiegel.de, n-tv.de, mdr.de.

Angriff auf Mosambikaner

“Mit “Sieg Heil”-Rufen haben zwei Männer einen in Mosambik geborenen Deutschen in Chemnitz angepöbelt.” schreibt Siehe Spiegel Online dazu.

Miguel J., der vor mehr als 20 Jahren zum Studium in die DDR kam, sagte der Dresdner Morgenpost: “Die Faust traf mich mit voller Wucht, ich habe richtig geblutet.”

Wenn Rassisten bloggen… (2)

Dazu verweise ich einfach mal auf politischinkompetent reloaded.