Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (21)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

21. Frage: Welche Bedeutung hat der 2. Fünfjahrplan? Wodurch haben die russischen Arbeiter und Bauern in ihrem Lande Faschismus und Tributsklaverei verhindert? Ist das russische Beispiel in Deutschland durchführbar?

Über diese Frage entstand eine ausführliche Diskussion zwischen dem Genossen Thälmann und der gesamten SPD-Delegation. Es werden Fragen gestellt darüber, wie es mit der Fünftagewoche steht, ob die Wissenschaftler zum Proletariat gehören, Fragen des Aufbaues der Sowjetwirtschaft werden erörtert usw. Dann erklärt Genosse Thälmann:
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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (20)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

20. Frage: Steht die Losung der Diktatur des Proletariats nicht im Gegensatz zum Mitbestimmungsrecht und der Demokratie innerhalb s der Arbeiterklasse?

In der sogenannten bürgerlichen “Demokratie” diktiert das Finanzkapital. Die Diktatur des Proletariats ist jene Staatsform, in der die Arbeiterklasse kraft ihrer Masse und Waffengewalt die Herrschaft der bürgerlichen Ausbeuter gestürzt hat und jeden Widerstand der ehemaligen Ausbeuter unterdrückt. Unter der Diktatur der Bourgeoisie, gleich unter welchen Herrschaftsforrnen, gibt es keine wirkliche Demokratie! Denn eine Minderheit, das Finanzkapital, regiert über die Mehrheit, besonders über den entscheidendsten Teil der Mehrheit der Bevölkerung, über das Proletariat.

In einem Sowjetstaate ist das Verhältnis umgekehrt: Dort regiert die gewaltige Majorität der Werktätigen über die Minorität der Überreste der früher herrschenden Klasse. Durch die Sowjets, die zum einzigen Verwaltungs- und Staatsapparat werden, wird die tatsächliche Anteilnahme der gesamten Masse des Proletariats und der werktätigen Schichten an der Verwaltung des proletarischen Staates verwirklicht. Die Diktatur des Proletariats ist also keineswegs, wie die SPD-Führer behaupten, eine Diktatur über das Proletariat. In den Leitsätzen und Statuten der Kommunistischen Internationale heißt es außerdem unter Kapitel II, Abs. 9:

“Die Diktatur des Proletariats ist die vollkommenste Verwirklichung der Leitung aller Werktätigen und Ausgebeuteten, die von der Klasse der Kapitalisten unterjocht, geknebelt, gedrückt, eingeschüchtert, zersplittert, betrogen worden sind, durch die einzige Klasse, die zu einer ” solchen führenden Rolle durch die ganze Geschichte des Kapitalismus vorbereitet ist.”

Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (19)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

19. Frage: Wie denkt sich die KPD die Bekämpfung des imperialistischen Krieges und die Verteidigung der Sowjetunion?

Es gilt, in der Grundlinie das Feuer des schärfsten Kampfes gegen die Bourgeoisie im eigenen Lande zu richten. Es gilt, Klarheit zu schaffen über die Rolle des Pazifismus, des Völkerbundes und die kriegspolitischen Maßnahmen der eigenen Bourgeoisie. Die SPD hat ihre Stellungnahme zum Kriege durch Panzerkreuzer, Wehrprogramm, durch Zustimmung zum Wehretat usw. deutlich kundgetan.

Der Genosse Marty hat 1919 mit seiner Schwarzen-Meer-Flotte allen Arbeitern ein glänzendes Beispiel des revolutionären Antikriegskampfes gegeben. Er hat die Kanonenrohre umgedreht gegen die eigene Konterrevolution, statt sie gegen die Rote Armee zu richten. Wir erinnern weiter an die Potemkin-Revolte, an die Verhinderung von Munitionstransporten während des Russisch-Polnischen Krieges 1920 und an die neueren Tatsachen, wo in Danzig und Gdingen polnische und deutsche Arbeiter gemeinsam durch Streiks die Munitionstransporte von Polen zum japanischen Kriegsschauplatz verhinderten. Alles das sind Schlüssel für wichtige Aktionen unserer Antikriegspolitik.

In den Betrieben besteht die beste Methode im Kampfe gegen die Kriegspolitik darin, indem man Streikkämpfe und Kämpfe um höheren Lohn, sowie gegen erdrückende Arbeitsbedingungen entfesselt. Der imperialistische Krieg bringt den werktätigen Massen Not, Verderben, neuen Kummer, neue Sorge. Wer den Kampf gegen den imperialistischen Krieg, für die Verteidigung der Sowjetunion führt, verteidigt damit seine eigenen Klasseninteressen!

Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (18)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

18. Frage:Unter welchen Bedingungen kann die Losung des politischen Massenstreiks als konkrete Kampflosung gestellt werden?

Ein SPD-Delegierter schlägt vor, auf die nähere Behandlung dieser Frage zu verzichten, da in der Beantwortung der Fragen Nr. 3, 10 und 11 das Problem des politischen Massenstreiks und des Generalstreiks bereits gestreift wurde. – Die Delegation beschließt demgemäß.

Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (17)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

17. Frage: Wie steht es mit der Abhängigkeit der KPD von der Komintern, von Moskau und der Politik der Sowjetunion?

Wir sind stolz darauf, der Kommunistischen Internationale anzugehören. Denn sie kämpft für die Internationale der Arbeiter und Unterdrückten, für die Solidarität aller Unterdrückten der ganzen Welt.

Die deutsche Sozialdemokratie war einst, als die II. Internationale in der Vorkriegszeit noch in gutem Ruf stand, die beste Partei dieser Internationale. So wie damals die verschiedensten europäischen Parteien wichtige Erfahrungen der deutschen Partei akzeptierten, so werden heute in unserer Internationale die Erfahrungen der russischen Bolschewiki ausgewertet. Auf Weltkongressen und EKKI-Konferenzen werden die Probleme behandelt. Das ist nicht eine Frage der historischen Ehrung, sondern es handelt sich um ein praktisches Lernen, denn die russischen Brüder haben den Kapitalismus wirklich gestürzt, und in ihrem Lande wird der Sozialismus aufgebaut.

Nicht “Abhängigkeit” bindet die KPD an die Komintern, sondern der freiwillige, von revolutionärer Erkenntnis gefaßte Beschluß, der Kommunistischen Internationale beizutreten. Das dumme Gerede vom “rollenden Moskauer Rubel” ist ein Kinderschreck für spießbürgerliche Gemüter, wie wir ihn schon in ähnlicher Form in der Vorkriegszeit erlebten, als man den Sozialdemokraten vorwarf, sie würden vom Auslande finanziert.

Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (16)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

16. Frage: Wie ist das Verhältnis zwischen Führer und Masse bei der KPD und wie beurteilt sie das Verhältnis von Führer und Masse bei der SPD und beim ADGB?

“Unsere Parteiführung zeichnet sich durch ihre enge Verbundenheit mit der Masse des Proletariats aus. Die Denkweise der sozialdemokratischen Führer und die Denkweise der kommunistischen Führer – das ist allein schon ein Anschauungsunterricht für die Arbeiter. Die SPD-Führer, in dauerndem engstem Kontakt mit den klassenfremden und klassenfeindlichen, korrumpierten Schichten der Bourgeoisie, in gut bezahlten Staats- und Aufsichtsratsfunktionen, nehmen selbstverständlich im stärksten Maße die Gepflogenheiten und Gebräuche ihrer Umgebung an.

Glaubst du, SPD-Genosse, ich war schon einmal bei Hindenburg?

Niemals!

Aber wie oft gehen die SPD-Führer zu Papen und zu Hindenburg?

Die SPD-Führer und auch die gutbezahlten Genossenschafts- und Gewerkschaftsbonzen usw. sind eine arbeiteraristokratische Schicht geworden, deren Interesse nicht mehr mit dem des Proletariats übereinstimmt.

Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (15)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

15. Frage: Gibt es innerhalb der KPD Demokratie und ein Mitbestimmungsrecht der Mitglieder?

Wir bejahen diese Frage nicht nur, sondern behaupten sogar, daß unsere Partei die einzige Partei der proletarischen Demokratie ist. Die Betriebsund Straßenzellen sind die Grundlagen unseres Organisationslebens. Über die Wahl der Leitungen sagt §6 des Statuts der KPD:

“Wahl sowohl der unteren wie der oberen Parteiorgane in Vollversammlungen der Parteimitglieder bzw. auf Delegiertenkonferenzen und Parteitagen.”

Wir sind eine Partei des demokratischen Zentralismus. Die Frage der Disziplin und der straffsten Zentralisation steht durch die Lebensbedingungen einer revolutionären Partei natürlich viel härter als bei einer kleinbürgerlichen Partei. In der Legalität sowohl wie in der Illegalität, in der letzteren ganz besonders, muß die Partei vor Spitzeln, Provokateuren und Polizeiagenten auf der Hut sein. Alle Mitglieder und Funktionäre der Partei, sowie alle neu zu uns kommenden Klassengenossen werden zur Parteiarbeit und zu verantwortungsvollen politischen Funktionen herangezogen.

Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (14)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

14. Frage: Gibt es zwei Arbeiterparteien?

Der Charakter einer Arbeiterpartei resultiert nicht allein aus ihrer sozialen Zusammensetzung, aus der Zahl der in ihr erfaßten Arbeiter, denn sonst könnte ja das Zentrum, diese Partei Klöckners, Louis Hagens, die Partei des Prinzen von Löwenstein, die Partei, aus der Papen hervorgegangen ist, schließlich auch eine Arbeiterpartei sein.

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Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (13)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

13. Frage: Wie unterscheidet sich die Stellung der Kommunisten in der Jugend- und der Frauenfrage von der der Sozialdemokratie?

Ich glaube am besten antworten zu können mit der Tatsache, die uns die Sowjetunion zeigt. Unsere Losung: Gleicher Lohn für gleiche Leistung, ist in der Sowjetunion durchgeführt. Die Frauen und die Jugendlichen bekommen denselben Lohn für dieselbe geleistete Arbeit.

Während die SAJ heute noch von der SPD-Führung bevormundet wird, während die SAJ‑Führung die Jugend in den freiwilligen Arbeitsdienst zwingt, genießt bei uns die Jugend vollste Gleichberechtigung. In der Sowjetunion arbeiten die jugendlichen Arbeiter von 14-16 Jahren nur vier Stunden und die von 16-18 Jahren nur sechs Stunden am Tage.

Wie schaffen wir die Rote Einheitsfront? (12)

Thälmanns Antwort auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern

12. Frage: War die Gründung der RGO notwendig? Bedeutet die Gründung nicht eine Spaltung der organisierten Arbeiterschaft?

Ich will zunächst auf Engels und Bebel zurückgreifen, die zur Frage der Trennung von reaktionären Kräften innerhalb der Arbeiterbewegung wichtige und bedeutsame Äußerungen getan haben. Engels schrieb am 15. Juni 1895 an Becker:

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